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Das ist keine leichte Situation mich┬ů

 

So dachte ich, als die Idee eines ├ťberf├╝hrungst├Ârns f├╝r den Herbst 2012 geboren wurde.

Wieder war eine 1000m-Race bei ECKER im Mittelmeer organisiert worden und eine Gruppe unseres Vereins wollte danach ein Schiff in den Heimathafen ├╝berf├╝hren.

Noch war die Crew nicht klar, noch gab es kein Schiff und schon wollte ich dabei sein. Aber kann ich zwei oder drei Wochen an Bord einer Nussschale ohne meine S├Âhne ├╝berstehen? Kann ich die jungen Burschen so lange mutterseelenallein lassen? Kann ich mit lauter M├Ąnnern an Bord so lange unterwegs sein?

Als mir bewusst wurde, dass der ┬äGro├če┬ô ja dann schon vollj├Ąhrig sein w├╝rde und die Versorgungslage damit zuhause gew├Ąhrleistet sein sollte, beschloss ich, mit an Bord zu gehen.

Nun ging es also an die Zusammenstellung der Mannschaft. Mit mir waren Hans und Manfred sofort fest dabei, unseren Wunschskipper Harald hatten wir auch schnell „überredet“ und Hermann schloss sich ebenfalls rasch an.

Damit waren wir zu f├╝nft. Nach einem harten Kopf-an-Kopf-Rennen vervollst├Ąndigte Sigi aus ├ľsterreich unser Team.

Im Januar war dann offensichtlich, dass der Ausgangshafen f├╝r uns R├╝ckf├╝hrer Alanya statt Zypern, Beirut oder ElAlamein sein w├╝rde.

Unser Schiff war auch gefunden, es sollte nach Lefkas gefahren werden.

Die ersten T├Ârnbesprechungen verliefen harmonisch, die Funktionen an Bord waren bald verteilt:

Harald ┬ľ Skipper

Hermann ┬ľ Co-Skipper und Kassier

Hans ┬ľ Navigator

Manfred ┬ľ Smut

Andrea ┬ľ Schiffs├Ąrztin

Sigi ┬ľ hmmm, was macht er? Als ├ľsterreicher internationalisierte er die Crew und war schnell zum Quotenausl├Ąnder erkoren.

 

Mit Hermann war ich schon 2004 zwei Wochen unterwegs gewesen. Wir w├╝rden uns gut verstehen. Harald war damals auf dem Nachbarschiff, das w├Ąre bestimmt auch kein Problem. Hans und Manfred sind ein Team seit dem Kindergarten, seit Jahren mit mir bekannt┬ů. Gute Freunde.

Mit Sigi war ich im Fr├╝hjahr eine Woche auf der Adria unterwegs, es waren herrliche Tage gewesen, ich freute mich auf ein weiteres Segelabenteuer mit ihm.

Nachdem ich im April schon eine Woche lang die Jungs allein zuhause gelassen hatte, um mit Sigi und drei weiteren Freunden zu segeln, war auch die Generalprobe „Kinder“-Allein-Daheim mit Bravour gemeistert worden, und ich konnte alle Bedenken über Bord werfen.

 

Im Fr├╝hjahr erhielten wir aber eine entt├Ąuschende Nachricht von ECKER: unser Schiff, die EMILIA, sollte nicht mehr in Griechenland, Lefkas, verchartert werden, sondern in der T├╝rkei bleiben und nur noch bis Kusadasi ├╝berstellt werde. Das war praktisch eine Halbierung unseres T├Ârns.

Krisensitzung und Diskussionen, eine neuerliche harte Preisverhandlung und die Tatsache, dass es ab Lefkas im November keine Fl├╝ge nach Hause geben w├╝rde, machten uns das neue Ziel schmackhafter.

Also trat keiner von der Reise zur├╝ck, alle wollten die t├╝rkische K├╝ste gem├╝tlich entlang segeln und einen T├Ârn mit kulinarischem und kulturellem Augenmerk genie├čen.

 

Der Sommer verging langsam, Bedenkentr├Ągerinnen in meinem Umfeld wurden lauter und meldeten immer ├Âfter ihre Sorgen an, die ich alle anh├Ârte, die mich aber nicht erreichten, und urpl├Âtzlich war es Oktober und dann auch der 28.10. ┬ľ Abreisetag.

Hermann hatte einen Transporter organisiert, der uns und unser Gep├Ąck, das trotz Nutella, Salamistangen, Schinken, Laptop, 12V-Transponder und vielen Klamotten kein ├ťbergewicht auf die Waage brachte, nach Salzburg bringen sollte.

 

 

Die Fahrt verl├Ąuft problemlos, auch der Abschied von zuhause war ohne Dramen ├╝berstanden. In Salzburg sind wir relativ fr├╝h und kommen auch sofort am Check-in an die Reihe.

Bei der Passkontrolle aber wird zuerst Manfred und dann alle anderen blass:

Er hat nur einen Pass dabei, dessen G├╝ltigkeit anno domini 2009 abgelaufen war.

Es bleibt nur eine einzige Chance, dass er noch mitfliegen kann: Helga muss ihm den zuhause gelassenen aktuellen Reisepass nachbringen. Sie steigt ins Auto.

Wir warten, warten, warten, trinken Kaffee, rauchen┬ů

Da klingelt bei mir das Handy: Jonas ist dran. Sie h├Ąngen auf dem Weg nach S├╝dtirol in Imst fest: Auffahrunfall┬ů.

Jetzt werde ich noch blasser.

Die Jungs sind mit dem Landrover Defender einem VW-Bus aufgefahren. Klarer Fall┬ů Den Jungs und dem Jeep fehlen nichts, der Bus┬ůna ja.

David ist die Lust am Abenteuer vergangen ┬ľ sie brechen das Unternehmen S├╝dtirol im November ab.

Inzwischen wird bei uns am Airport die Zeit knapp, wir m├╝ssen durch die Sicherheitskontrolle und Manfred einsam zur├╝cklassen.

Plan B entsteht in unseren K├Âpfen: Nachfliegen, Abholen am Hafen von Antalya┬ů

Der Flug hat Versp├Ątung.

Helga kommt nach einer unglaublichen Fahrt von 80 Minuten am Flughafen in Salzburg an, heil und unversehrt, mit Pass!

Manfred passiert als letzter die Sicherheitskontrollen, Boarding, Abflug.

 

Nachdem wir im Schneefall Bayern verlassen hatten, h├╝llt uns bei Ankunft in Antalya ein warmer sanfter Abendhauch von gut 20┬░C ein. Durch eine sternenklare Nacht und bei Vollmond fahren uns zwei Busse zur gut eine Stunde entfernten Marina von Alanya. Beim Einladen des Gep├Ącks fallen uns viele Wei├čhaarige und B├Ąrtige Reisegef├Ąhrten auf, man glaubt auf einem Rentner-Ausflug zu sein┬ů

An der Marina st├╝rmen die Skipper das B├╝ro, um die Liegepl├Ątze der Yachten in Erfahrung zu bringen. Ich bleibe mit Sigi, Manfred und Hermann beim Gep├Ąck, w├Ąhrend Hans ungeduldig zum Steg st├╝rmt, um EMILIA in Augenschein zu nehmen.

Die Grillen zirpen ohrenbet├Ąubend, ein w├╝rziger S├╝dduft h├╝llt mich ein. Ich muss eine der mitgebrachten Zigis entz├╝nden.

EMILIA liegt am Steg D und ihre Papiere mit Transitlog werden nicht vor Montagnachmittag geliefert werden. Wir haben also Zeit und m├╝ssen au├čer Schiffsbezug nichts mehr tun, k├Ânnen uns einem Abendessen widmen.

Der St├╝tzpunktleiter Andreas empfiehlt uns ein Restaurant nahe der Marina mit Blick auf die Masten. Dort werden wir schnell zwangs-entschleunigt, denn das Essen l├Ąsst LANGE auf sich warten. Getr├Ąnke sind TEUER, aber der Wei├čwein mundet sehr. Die meisten von uns bestellen ein Kebab, das in Lavasteinen serviert wird, das zwar nicht so rot gl├╝hend wie Lava, aber so hei├č ist.

Der Abend und Tag klingen bei LaPaloma und Gel├Ąchter aus, wir gleiten in den neuen Tag.

Die Nacht ist hei├č und kurz.

Noch vor Sonnenaufgang singt der Muezzin sein Lied, das mich mitrei├čt in die orientalische Welt.

 

Die Sonne steht um 7.00Uhr am blauen Himmel, es ist warm, eine angenehme Brise streichelt die Haut.

Hans ist als Bettfl├╝chter schon nach Alanya aufgebrochen ┬ľ Semmeln, Butter, Marmelade, Milch und Orangensaft holen. Kaffeepulver hat uns die Vorg├Ąngercrew zusammen mit ein paar anderen Grundnahrungsmitteln an Bord gelassen. Hinw├Ąrts gabelt ihn ein Bus auf, r├╝ckw├Ąrts erbarmt sich ein Motorradfahrer und setzt ihn am Marinator ab.

Die morgendliche Dusche verscheucht den Rest von M├╝digkeit, das Design ist ansprechend, die Zustand leider sehr schmutzig.

Bei Licht betrachtet stelle ich fest, dass das Luk der Bugkabine gebrochen ist und nur notd├╝rftig mit Isolierband verklebt. Nasse Kojen sind also garantiert, wenn da nix ge├Ąndert wird. Manfred inspiziert die Sache und stellt fest, dass das Luk der Fenderbox identisch ist und so werden die beiden von Andreas ausgetauscht.

Um 10.00Uhr starten Hans, Manfred und ich zum Einkauf nach Alanya. Vorher m├Âchte ich noch ein paar t├╝rkische Lira tauschen und bekomme Euro von Automaten. Ich hatte die falsche W├Ąhrung getippt.

Nach gut 1,5km Fu├čmarsch nimmt uns ein Taxi mit.

Im Zentrum der Stadt kaufen wir binnen einer Stunde alles N├Âtige ein. Bier und Wein nehmen einen gigantischen Kostenposten ein! Schnaps oder Campari sind praktisch unerschwinglich, wir entscheiden uns dagegen.

F├╝r den R├╝ckweg haben wir ein Taxi geordert. Bei mir l├Ąuft der Kreis nicht so recht, es ist schw├╝l-hei├č┬ů.daheim f├Ąllt Schnee!

Das Leben ist sch├Ân!

Manfred kocht zu Mittag Fleischpflanzerl und Kartoffelstampf. K├Âstlich!

Um 13.30Uhr kommen Hans und Harald mit den Papieren und dem Transitlog, um 14.00Uhr laufen wir aus.

Erst werden unsere Nerven aber noch auf eine Probe gestellt: der Motor stirbt noch in der Box ab!

Die Jugend an Bord hat geforscht und auf der Suche nach dem Gashahn im Skipper-Kaj├╝tchen den Dieselhahn abgedreht!

Harald erkl├Ąrt daraufhin seine Koje zum Sperrgebiet.

 

Endlich geht es hinaus aufs spiegelglatte, tintenblaue Meer, das im Sonnenlicht goldene Flecken bildet, denen wir auf Kurs 253┬░ folgen.

Der erste und gr├Â├čte Schlag liegt vor uns: nach Kas. Die Bucht von Antalya an steuerbord lassend geht um 17.00Uhr die Sonne unter. Ich lege mich etwas in die Koje und schlafe, denn von 20.00 bis 1.00Uhr haben Sigi und ich Schicht, und um 6.00Uhr bin ich dann schon wieder an der Reihe. Mir gelingt auch ein Nickerchen.

Die Nacht beginnt ohne Wind, aber Vollmondlicht, das eine silberne Stra├če aufs Meer zeichnet. Herbert, der Autopilot, steht am Ruder. Wir schauen in die Nacht. Entdecken immer wieder die Positionslichter der anderen Schiffe auf dem Weg nach Kas. Ab und an ├╝berholen wir eines oder werden passiert.

Um 1.00Uhr l├Âsen uns Hermann und Manfred ab. Sie verbringen die Nacht bei Cola und Bier und verputzen einen kompletten Schinken. In den Morgenstunden frischt der Wind auf, Segel werden gesetzt. Davon aufgewacht sp├╝re ich zunehmend die ruppiger werdende See. Die ├ťberm├╝dung und das NICHTS-sehen lassen ├ťbelkeit und Hitze hochsteigen. Um 5.00Uhr klebe ich mir ein Pflaster und st├╝rze mit Superpeb zwischen den Z├Ąhnen an Deck.

Gegen 9.00Uhr erreichen wir den Stadthafen von Kas, der mit den bereits eingetroffenen Yachten ├╝berf├╝llt ist. Wir m├╝ssen weiter, die Huk umrunden, um in der Marina Kas festzumachen.

In unserem R├╝cken braut sich ein kr├Ąftiges Gewitter zusammen. Trotz Eile gelingt es uns nicht rechtzeitig am Steg zu sein: der str├Âmende Niederschlag, eine Mischung aus Hagel und Regen durchn├Ąsst uns vollst├Ąndig beim provisorischen Festmachen am Gullet-Anlieger. Ich ziehe mir vorm Niedergang die klatschnasse Hose aus und erhalte sofortiges Striptease-Verbot vom Skipper.

Harald ist also auch der Moral-Beauftragte des Schiffes!

Er meint dazu: Das ist keine leichte Situation f├╝r mich!

 

Nachdem wir uns alle etwas erholt und getrocknet haben, machen wir uns auf den Weg in die Stadt Kas.

Es ist mir noch von 2004 bekannt. Das St├Ądtchen hat einen sehr orientalischen Charme mit den Holzerkern an den mit Holzschnitzereien verzierten Balkonen. Waren dahinter mal der ein oder andere Harem┬ůwir k├Ânnen hier nur Vermutungen anstellen. Auff├Ąllig ist, dass im Stra├čenbild, anders als in Deutschland und vor allem Berlin, kaum Kopft├╝cher bew├Ąhrte Frauen erscheinen.

Als erstes f├╝hrt unser Weg uns nach dem Stadthafen, wo wir auch auf viele Crews treffen, die alle mehr oder minder verzagt und entnervt in ihren Cockpits hocken und aufs Ausklarieren warten. Keine kommt weg, weil ├╝berall ein Papier fehlt und der Hafenkapit├Ąn pro laufendem Schiffsmeter deshalb 20 US Dollar fordert. Das Geld sollen sie laut ECKER, so erfahren wir von einer bekannten deutschen Crew unter Skipper Willy, nicht locker machen, sondern die Sache aussitzen┬ů Na, dann viel Spa├č!

Hermann berichtet Willy, dass auch in der Marina Ausklarieren m├Âglich ist, und die dortigen Crews keine Probleme h├Ątten. Da werden die M├Ąnner der ARION nerv├Âs und fragen uns L├Âcher in den Bauch. Hans kann einfach nicht schwindeln und so fliegt der Spa├č auf.

Uns macht das alles keine Sorgen, denn wir m├╝ssen die T├╝rkei ja nicht verlassen! Wieder ein Grund, froh zu sein ├╝ber unseren verk├╝rzten T├Ârn!

 

Wir lassen uns durch Kas treiben, trinken t├╝rkischen Mokka, bummeln durch den Basar. Ich finde einen sch├Ânen Bernsteinring, den Hermann ganz lapidar als Spenglerarbeit bezeichnet. F├╝r mich und meine Bed├╝rfnisse aber genau das richtige. Nach kurzer Verhandlung erstehe ich ihn f├╝r ein paar t├╝rkische Lira. Durch diesen Einkauf verlieren Sigi und ich die anderen, die schon zur Marina voreilen und unter die Duschen streben.

Auf dem R├╝ckweg kaufe ich noch ein paar Bananen, die uns schon wieder ausgegangen sind.

Wieder in der Marina treffen wir Harald und Hermann, die ┬äsenior executives┬ô beim Bier und 4-Augen-Gespr├Ąch. Wir setzen uns dazu, st├Âren damit die Zweisamkeit der beiden, aber das macht ja nix.

Sigi schlie├čt sich mit einem Bier an, ich w├Ąhle einen Raki mit Eis und Wasser. Das wird mein Standardgetr├Ąnk in den Lokalen, der r├Ąumt den Magen auf und erinnert mich fast t├Ąglich an den Geschmack Syriens┬ů

Da die exekutive Ebene beschlossen hat, die marinanahen Lokale durchzutesten, um herauszufinden, wo das Efes am besten schmeckt, haben sie zum Zeitpunkt des Abendessens KEINEN Hunger mehr und die operative Ebene begibt sich ohne Chefs erneut in die Stadt.

Wir finden ein sch├Ânes Lokal und genie├čen im Freien unter dem t├╝rkischen Sternenhimmel ein wunderbares Essen ( Fischplatte, Grillplatte, H├Ąhnchenspie├č ) incl H├╝ftgold in Form von Baklava oder Schokoladencrepes.

Ich f├╝hle mich irgendwie erschlagen, habe Halsschmerzen und f├╝rchte eine heraufziehende Erk├Ąltung┬ů

Um 23.00Uhr geht┬ĺs in die Kojen, in die Harald und Hermann schon vor Stunden gesunken sind.

 

Wir schreiben den 31. Oktober des Sternenjahres 2012, Harald hat Geburtstag!

In der Nacht hat der Wind in den Wanten geheult und f├╝r Schwell bis in die Marina gesorgt. Nach Dusche und Fr├╝hst├╝ck laufen wir um 9.30Uhr aus, unser Ziel ist Gemiler oder die Kaltwasserbucht. Dies hat die F├╝hrungsriege gemeinschaftlich, ohne die operative Ebene einzubeziehen, beschlossen. Wir fordern dringend, an der Verbesserung der Kommunikation zu arbeiten!

Sigi hat in seinem IPhone ein sehr gutes WetterApp und macht uns morgendlich die Vorhersage. Damit ist er vom Quoten-Ausl├Ąnder zum Wetter-Futzi geworden und hat eine nicht zu untersch├Ątzende Position inne.

F├╝r heute ist die Wetterlage ein bisschen unklar: Wolken und Sonne, Regen bis Gewitter. Wir m├╝ssen uns ├╝berraschen lassen.

Nach verlassen der Bucht haben wir bei Bew├Âlkung gute Sicht, Seegang um 3, Wind 3-4Bft, wir fahren Schmetterling und installieren einen Bullenstander, damit das Gro├č stressfrei gefiert fahren kann. Ab 11.00Uhr ist der neue Windkurs ┬äHalber Wind┬ô und wir rauschen bei angenehmen 5-6kn dahin. Den Vormittag ├╝ber sind Hans und Hermann Schichtf├╝hrer, ab 12.00 Uhr ├╝bernehmen Manfred und Harald. Hans, der Navigator, nimmt seine Aufgabe sehr ernst und taucht nur sporadisch an Deck auf, um dem Ruderg├Ąnger den neuen, korrigierten Kurs zuzurufen: ┬ä3┬░ MINUS!┬ô

Die Entscheidung Gemiler ┬ľ Kaltwasserbucht ┬ľ areal ist klar, aber welche von den vier M├Âglichkeiten dort?

Wir wollen alle anfahren, und dann entscheiden. Die Kaltwasserbucht ist die erste, da Hans aber auf dem Laptop die Karte ins Unendliche zoomt sieht er nur Untiefen und h├Ąlt die Bucht f├╝r nicht befahrbar. Meine Einw├Ąnde: Ich war schon ZWEIMAL dort! Spielen keine Rolle.

Also drehen wir ab, passieren die Gullet-Anleger und die Sandbucht und enden an Muringbojen vor dem Restaurant von Gemiler. Der heranbrausende Boy garantiert uns Abholung nach Pfiff.

Nach einem herrlichen Bad im 26┬░C warmen Wasser und einer Entsalzungsdusche machen sich alle landfein zu Haralds Geburtstagsessen.

Nach einem guten t├╝rkischen Essen folgt ein herrlicher Abend an Deck bei Gel├Ąchter, Wein, Bier, Gesang aus dem Laptop und ┬ů Quoten-Weib┬ů

 

Es soll Menschen geben, die packen heute den Pelzmantel aus ┬ľ WIR springen vorm Fr├╝hst├╝ck ins Meer! F├╝r mich kommt ersteres sowieso nicht in Frage, was nicht allein am Mangel des Pelzmantels liegt.

Nach dem Bad also Fr├╝hst├╝ck mit dem frisch gebackenen Brot vom Restaurant. Per Dingi fahren Hans, Manfred, Sigi und ich dann auf die Ruineninsel. Ein bisschen Kletterei bringt uns zu einer fr├╝hchristlichen Kirchenruine, Zisternen, wir finden alte Rundbogenfenster, Gr├Ąber mit uralten verblassenden Fresken und ein altes Leuchtfeuer.

Der Ausflug hat sich wirklich gelohnt, da auch der Ausblick auf unsere Bucht grandios ist.

Nachdem unser Dingi wieder bei der EMILIA angekommen ist, bilden Hermann, Harald und Hans, der Dingi-Kapit├Ąn, Team 2 der Expedition. W├Ąhrend sich die operative Ebene wohl f├╝hlt. Sind die Senior Executives etwas katerig. Nur so ist es verst├Ąndlich, dass Harald mit Pantoffeln auf die Ruineninsel will. Ich warne ihn und schlie├če meine Empfehlung f├╝r festes Schuhwerk mit ┬ä I moan┬ĺs da ja blo├č guat!┬ô

Hermann m├Âchte noch wissen, ob sich die Plagerei rentiere. Wir alle best├Ątigen, dass er es bereuen wird, nicht dort gewesen zu sein, wenn er erst mal die Fotos sehen w├╝rde.

Wieder zur├╝ck meint er, dass er ja schon wusste, dass ich mit wenig zufrieden bin, aber dass ich f├╝r fast NICHTS zu begeistern w├Ąre, sei ihm neu gewesen┬ů

Die Zeit beginnt mir zu zerrinnen. Ich wei├č nicht mehr, welche Stunde schl├Ągt, es ist dunkel oder hell, mehr interessiert mich nicht. Meer ist um mich rum, das Schiff wiegt mich im Wachen und im Schlafen, nur das z├Ąhlt.

Irgendwann l├Âsen wir uns von der Muringboje und nehmen Kurs auf die Boynuzb├╝k├╝-Bucht im Golf von Fethiye.

Es ist ein bew├Âlkter Tag, aber warm. Wir befahren das Gebiet, in dem 2006 zahllose Wasserhosen unseren Kurs kreuzten. Heute ist alles friedlich.

Wir haben Segel gesetzt, Harald liegt auf dem Dingi und dem Vordeck.

Pl├Âtzlich sprintet er ins Cockpit, korrigiert den Kurs und die Segelstellung und stellt fest: ┬äKaum geht der Skipper aufs Vordeck, werden kaum wieder gut zu machende Fehler begangen!┬ô

Unser Ausnahme-Skipper schaut wirklich auf unser Wohl!

Der Nachmittag gleitet dahin wie wir auf dem Meer. Gegen 16.00Uhr erreichen wir unser Tagesziel und legen mit Muring und Heckleinen am Schwimmsteg an. Kaum angekommen besichtigen wir die ├ľrtlichkeit und sehen uns gezwungen, beim Wirt ein ┬ľ MEHRERE ┬ľ Bier zu verkosten. Ich bleibe wieder einmal beim Raki. Als die Sonne immer tiefer wandert, werden die M├╝cken aktiv. Eine wahre Plage! Der Wirt spendiert ┬äM├╝ckentot┬ô f├╝r die Haut und setzt eine Giftrauch-Maschine in Gang. Das wird mir zuviel, ich gehe zur├╝ck zum Schiff und springe ins Wasser, um mir das Gift abzuwaschen. Inzwischen ist es stockfinster, aber als ich im Wasser eintauche, beginnt das Meer um mich in tausend Lichtp├╝nktchen zu leuchten. Algenbl├╝te┬ů ein Wunder der Natur. Ich darf wieder einmal durch diesen Traum der Meeresnacht schwimmen┬ů

 

Manfred und ich sitzen dann an Deck, genie├čen den Abend und unterhalten uns, bis die anderen kommen. Dann kochen wir gemeinsam ein Men├╝ aus Resten: Kartoffeln, Spaghetti mit Ei, die restliche Bolognese Sauce, sowie den Hafen-Hai, respektive die Hafen-Brasse von Manfreds Angel.

Alles wird verputzt, nur Hans isst nichts, er habe keinen Hunger!

Als Dessert gibt┬ĺs Schokolade, a Gwutzelte und Merlot aus der T├╝rkei. Bei Musik vom Feinsten, f├╝r die Harald sorgt, philosophieren wir ├╝ber Gott und die Welt, lassen den Tag Revue passieren und stellen dankbar fest, dass wir ohne unseren Navigator Hans, schon l├Ąngst auf einer der unz├Ąhligen Untiefen vor der t├╝rkischen K├╝ste stecken geblieben w├Ąren.

Hermann gesteht, dass er von fiktiven Betr├Ągen in seiner Kasse praktisch umgebracht wird, weshalb wir schleunigst f├╝r Bares sorgen.

Vielleicht schl├Ąft er deshalb im Salon, um nah bei der Kassa zu sein?

 

Es ist Freitag, der 2.November.

Wie immer ist Hermann der erste, er leidet am meisten unter Bettflucht und ┬äst├Ârt┬ô mit der Suche nach seinen Zigaretten. Um 9.00UHR gelingt uns das Auslaufen mit Minimalfr├╝hst├╝ck, weil wir nur noch wenig zum Essen haben. Deshalb f├╝hrt uns der Weg zun├Ąchst nach G├Âcek zum Bunkern von Diesel ┬ľ die Tankuhr zeigt nach etlichen Motorstunden noch immer VOLL an und das wirft schon einige Fragen auf┬ů - und nat├╝rlich Futter, Festes und Fl├╝ssiges.

Um 10Uhr liegen wir mit Heckleinen an der Tanke und füllen 75 l für 150 € (!!!!!) nach knapp 30 Motorstunden in die Bavaria.

Danach verholen wir uns etwas und m├╝ssen f├╝r einen halben Tag Liegen in der Stadtmarina 20TL zahlen.

G├Âcek ist so sch├Ân wie vor 8 Jahren: der Anlegesteg der PUPA-Marina in mitten der Stadt, die bl├╝henden Bougainvillien, die Cafes und Restaurants mit den Korbst├╝hlen praktisch am Pier.

Wir holen Geld, kaufen nach der erstellten Liste ein und beschlie├čen, den Abend und die Nacht in der Picnic Bucht zu verbringen.

Es ist f├╝r mich ein Tag der Erinnerungen. Ohne Wehmut, wie ich erfreut feststelle, sondern mit Dankbarkeit und Freude ├╝ber und an der Sch├Ânheit des Lebens.

Beim Einkaufen von Bierdosen sind harte Verhandlungen und Vergleiche erforderlich, wir bekommen aber einen guten Preis, wobei der Supermarktbesitzer nach Kl├Ąrung meines Familienstandes der Crew Freibier im Austausch gegen mich anbietet┬ů Aber ┬ämeine┬ô Prinzengarde findet ┬ľ so wie ich -, dass Bier nicht alles ist im Leben!

Um 12.00Uhr sind alle Vorr├Ąte aufgef├╝llt und verstaut. Hans und ich sind Wachhabende und so komme ich ans Ruder und die Seekarte, langsam bin ich auf der EMILIA angekommen. Sie liegt in meiner Hand, auf der Fahrt zur Quellenbucht, in der wir 2004 geankert hatten, lasse ich Segel setzen.

Bei herrlichem halbem Wind rauschen wir mit ├╝ber 8kn dahin. Die Kurskorrektur, von Hans durchgegeben, interessiert mich nicht, weil ich SEGLE und nicht Kurs halte. EMILIA f├Ąhrt super! Auch hoch am Wind l├Ąsst sie sich gut f├╝hren, ganz anders als MARIA, die Elan, an Pfingsten.

Das Meer, die Luft, der Wind, alles erscheint mir leicht, m├Âglich ┬ľ wunderbar!

Heute kommt bei diesigem Wetter und schw├╝len 27┬░C nur gelegentlich und erst am Nachmittag die Sonne durch.

Beim Motoren durch die Quellenbucht schl├Ągt Harald vor, einmal einen Abend ohne Alkohol zu verbringen. Hans denkt und sagt, dass das m├Âglich sei. Aber Sigi ist diesem Gedanken nicht zugeneigt und eilt zum K├╝hlschrank, um ein, zwei, drei┬ůvier, nein F├ťNF DOSERL an Deck zu bringen.

Am Ende der Picnic Bucht gibt es zwei Holzstege. Der Wirt weist uns an die Innenseite des landw├Ąrts gelegenen Stegs. Es ist sehr eng, aber der Tiefe reicht aus. Wir machen steuerbord l├Ąngsseits fest.

Beim Blick in den K├╝hlschrank hole ich die beiden kleinen klaren Flaschen zu Tage, die mir schon seit L├Ąngerem auffallen. Es sind ├Âsterreichische Schn├Ąpse, die uns die Vorg├Ąngercrew an Bord gelassen hat.

DEN gibt es heute als Anlegeschluck!

Harald ist froh, dass Sigi mitgefahren ist, weil der ihn immer wieder zum Bier verf├╝hrt. Damit ist Sigi neben Quoten-Ausl├Ąnder und Wetter-Futzi nun auch noch der S├╝ndenbock.

Mein zweites Bad wartet: eine Runde Schwimmen um die Stege, einseifen, Haare shamponieren und dann kopf├╝ber zum Aussp├╝len ins Meer. Das hab ich schon seit┬ů. 20 (?) Jahren nicht mehr gemacht. Und es ist sooooo sch├Ân, dass ich es gleich dreimal wiederholen muss.

Dann sitze ich allein auf dem Vordeck und bin die Yacht-Wachtel ┬ľ alle Mann ausgeflogen: Erkundungsfahrt per Dingi ( Hans und Mane ) und Freundschaftsbier eins, zwei, drei┬ů beim Wirt des Stegs. Musikalisch werde ich beschallt vom Nachbarlieger ┬ľ eine riesige Motoryacht unter russischer Besatzung. Alle Klischees werden erf├╝llt!

Als die beiden Forscher, Hans und Mane, zur├╝ckkommen, gehen Hans und ich zu den anderen, die im Salettl beim Bier sitzen.

Ich bestelle Raki und bekomme gratis einmal durchs-gegelte-Haar-des-Obers-Streifen dazu. Das hat Hermann f├╝r mich m├Âglich gemacht! Ich werde ihm ewig dankbar sein f├╝r das Wissen ├╝ber die unerotischste taktile Erfahrung.

Aber bitte┬ů. KEINE Details!

Kulinarisch k├Ânnen wir aus dem Vollen sch├Âpfen und Mane kocht H├Ąhnchenbrust mit Tomatenreis. Parmesan reiben wir nach belieben dr├╝ber. Harald isst seinen K├Ąse gerne mit Reis. Der Merlot schmeckt herrlich dazu, Hermann besteht auf Angora wei├č.

Alle sind heute etwas fr├╝her in den Kojen.

 

                 Um 7.30Uhr geht kein Wecker, aber Topfschlagen von Hans erf├╝llt den gleichen Zweck. Er und Hermann sind wirklich extreme Bettfl├╝chter.

                 Okay, das Vorschiff f├Ąllt t├Ąglich auf, indem es als letzte Crewmitglieder aus den Kojen kriecht.

Nach einem knappen Fr├╝hst├╝ck und Aufklarieren des Salons, der sich wie das Cockpit grauenvoll pr├Ąsentiert, verholen wir uns an das Stegende und legen um 9.00Uhr ab. Es geht vorbei an der Tersane Bucht in die Bucht von Fethiye.

Die Sonne brennt auch am 3.November vom blauen Himmel bei NULL Wind und daf├╝r unangenehmer querer D├╝nung. Das morgendliche Ziel ist Maden Iskele. Aufgrund der Witterung ist aber nur Motoren m├Âglich, so dass wir die Bucht vor Marmaris mit ihrem Edelrestaurant steuerbord liegen lassen und weiter fahren, an Marmaris vorbei zu einer kleinen Ankerbucht namens Kriek Ince. Wie am Tag zuvor sichten wir ein Delphin-P├Ąrchen.

Am Ende der Bucht mit einer alten byzantinischen Kirchenruine werfen wir bei 4,3m Anker, stecken das vierfache an Kette und machen eine Landleine fest. Was f├╝r ein Gl├╝ck, dass wir uns f├╝r dieses Idyll und gegen die Nachbarbucht mit Hotelbunker entschieden haben!

W├Ąhrend des Tages hatten wir Erkenntnisse des Lebens ausgetauscht und einen medizinischen Gesundheitscheck durchgef├╝hrt, all das f├Ąllt unter die Schweigepflicht und wir kommen ├╝berein: BITTE keine Details!

Nach dem Festmachen und einem geb├╝hrlichen Anlegeschluck aus dem Schnapsbestand gehe ich schwimmen, ebenso unser Skipper, Mane und Hans machen per Dingi einen Landgang. Sie schlie├čen Freundschaft mit einem ├╝beraktiven Sch├Ąferhund-Mischling und sto├čen auf eine Kuhleiche zwischen den Ruinen. Bei ablandigem Wind beschert uns die auch gelegentliche Duftnoten der Verg├Ąnglichkeit.

Mit uns ankern noch sechs weitere Yachten, fast alle mit Landfeste, zwei davon sind eindeutig Langfahrer. Neid kommt auf und die braungebrannten Bordfrauen werden durchs Fernglas genau beobachtet und altersm├Ą├čig eingestuft. Ich bekomme den Fernstecher nicht in die Hand, so dass ich ├╝ber die Skipper der Yachten keinerlei Aussagen treffen kann.

Die K├Ąseweckerl aus G├Âcek, die so wie der Schokokuchen im Mund immer mehr werden, verwendet Manfred als Fischk├Âder. Mangels Erfolg genie├čen wir zum Abendessen keinen Fisch sondern Spaghetti Arrabiata, Pesto Genovese sowie ein von mir gewaltig versalzenes Zucchini-Paprika-Gem├╝se. Die Joghurt-Granatapfel-Nachspeise ist nicht jedermanns Sache.

Alle sind heute tr├Ąge und m├╝de und so gehen die Kojenlichter bereits gegen 22.00Uhr aus. Drau├čen steht der Mond bei sternenklarem Himmel ├╝ber der Bucht und wirft seine silberne Stra├če aufs Wasser.

Ohne Dingi auf der Luke k├Ânnen wir im Vorschiff bei offenem Fenster schlafen ┬ľ ein echter Komfort-Gewinn! Das rechtfertigt die fortan allabendlichen Abbauarbeiten.

 

Fr├╝hes Bettgehen bedingt fr├╝hes Aufstehen:

Hermann und Hans sind wieder mal die ersten, dann Harald, sp├Ąter Mane, um 7.30Uhr komme ich und schlie├člich auch Sigi dazu. Nach Kaffee und Semmerl geht┬ĺs ins Meer. Warm, weich, sauber, blau┬ůein TRAUM!

W├Ąhrend ich mir noch die Kontaktlinsen in die Augen bastle, wird der Anker gelichtet. Die Landfeste hat Sigi schon beim Baden gel├Âst.

Wir verlassen diese Traumbucht, die umrahmt wird von Felsformationen und Latschenkiefern, einer Ruine und den Resten der Byzantinischen Kirche.

Das Wetter ist wieder STRAHLEND: blauer Himmer, wenige Sch├Ąfchenwolken, kein Wind, ├Âlig glatte See.

Unterwegs sitze ich lange im Bugkorb, lasse meine Beine und Seele baumeln, denke zur├╝ck und nach vorn, bin gl├╝cklich und dankbar f├╝r das Gestern, f├╝r das Jetzt und schaue mit Neugier und Zuversicht in das Morgen.

Wir sehen erschreckend viel treibenden M├╝ll sowie eine vermeintliche Bierdosenpackung, die sich beim Rettungsman├Âver als Seven Up pr├Ąsentiert┬ů.NIX f├╝r uns.

Um 12.00Uhr erreichen wir die Durchfahrt Symi ┬ľ T├╝rkische K├╝ste und wechseln den Kurs auf 328┬░ Richtung Datca.

 

Es ist das andere Ambiente schon sp├╝rbar: die griechische Inselwelt strahlt schon bis ins t├╝rkische Gew├Ąsserchen.

 

Datca hei├čt die Halbinsel, aber auch ein St├Ądtchen auf derselben, welches auf einer Mini-Halbinsel in West-Ost-Richtung liegt. Das Anlegen im Hafen mit Buganker und Heckleinen ist problemlos, es gibt sogar eine Dusche und Toiletten, f├╝r die bezahlt werden muss ┬ľ freiwillig. Hafengeb├╝hren werden keine gefordert, wir fragen aber auch nicht lange nach.

Wir laufen am Meer entlang bis zu einem Ausflugskaffee der Stadtbewohner. Dort genehmigen wir uns einen t├╝rkischen Mokka und genie├čen den Sonntag Nachmittag. Hermann verhandelt auf dem R├╝ckweg schon einmal die Preise f├╝rs Abendessen. Ich kaufe ein paar Postkarten incl Briefmarken, die ich nie abschicken werde mangels Postkasten und dann selbst nach Deutschland fliege, um sie dort in Kuverts einzut├╝ten und mittels Deutscher Post dem Empf├Ąnger zukommen zu lassen. Diese schreibe ich jedenfalls noch vor dem Essen im Cockpit sitzend bei EFES und Zigi. Ein Telefonat mit David und sp├Ąter Jonas beruhigt das Mutterherz.

Harald schlie├čt Freundschaft mit dem sch├Ânsten aller Hafenhunde.

Um 19.00 Uhr brechen wir auf in ein Fischlokal, suchen Vor- und Hauptspeisen aus. Ich m├Âchte Oktopus-Salat und Calamari. Laut Ober haben sie nur Fisch. Komisch, schlie├člich schwammen schon im Hafenbecken etliche Tintenfische. Wir entscheiden uns f├╝r Doraden. Sie sollen 100TL pro Kilo kosten! Das sind F├ťNFZIG EURONEN! Wahnsinn! Deshalb sehen wir uns gezwungen, uns auf die Vorspeisen zu beschr├Ąnken. Das l├Ąsst die Obers aufwachen und sie offerieren pl├Âtzlich Doraden, die pro Person 15┬Ç kosten sollen. Einverstanden! Nach dieser Bestellung sehe ich den Kellner dann aber Calamari fritti an den Nachbartisch tragen┬ů. Das war┬ĺs dann mit dem Trinkgeld!

Wir berappen auch ohne dieses 460TL, also gut 40€ pro Person.

Es bleibt ein bitterer Nachgeschmack!

Die Atmosph├Ąre dieser ┬äSommer┬ôNacht f├Ąngt uns im Cockpit sitzend wieder ein: Die Marmorgehsteige an der Hafenpromenade leuchten im Mondlicht, Hunde und Katzen tragen ihre Revierk├Ąmpfe aus. Die stolzen t├╝rkischen Damen, die am Nachmittag promenierten, haben das Hafengebiet verlassen, dagegen ziehen sch├Âne M├Ądchen und ihre nicht minder attraktiven Begleiter unsere Blicke auf sich.

Harald hat die Schl├╝sselgewalt und zerbricht das Schloss beim Aufsperren. Es war bei genauerer Untersuchung klar, dass es offensichtlich schon einmal geklebt worden ist. Hans sitzt den ganzen Abend UNERM├ťDLICH am Salontisch und bastelt erfolglos.

Am n├Ąchsten Morgen soll Kleber gekauft werden. Dabei versucht Sigi ein weiteres mal vergeblich, ein altes historisches Bismarck-Buch in einem Antiquariat zu erstehen.

Munter lachen, trinken, ratschen und rauchen wir bis 23.00Uhr. Sogar Wasser wird noch gebunkert zu n├Ąchtlicher Stunde, was zu einem feuchten Cockpit f├╝hrt.

Die Nacht ist schw├╝l-warm, aber durch die offene Luke angenehm.

 

 

Noch vor Sonnenaufgang h├Âre ich im D├Ąmmerschlaf die Muezzins von den zwei Minaretten im Wechselgesang. Mir ist nicht klar, ob ich tr├Ąume oder wach bin. So unglaublich sch├Ân ist dieses Konzert! Sigi best├Ątigt mir sp├Ąter, dass er es auch geh├Ârt hat.

So f├Ąngt Manfreds Geburtstag mit diesen Traum-Kl├Ąngen an.

Zum Fr├╝hst├╝ck hat Hans frische Semmeln und eine Geburtstags-Schokoladen-Torte besorgt ┬ľ Die soll es zum Kaffee am Nachmittag geben!

Als wir wieder um 9.00Uhr ablegen, ist Harald erfreut, dass es t├Ąglich m├Âglich ist, ohne Stre├č und Antreiben der Crew zu dieser Zeit auszulaufen. Er ist aber auch unser Skipper ┬ľ einer der BESTEN: f├╝r mich eine graue Eminenz, Sicherheit ausstrahlend, immer die richtigen Worte f├╝r die verschiedenen Man├Âver. Ich bin beeindruckt.

Unser Ziel ist der Leuchtturm von Knidos, am westlichen Eck der Halbinsel Datca gelegen. Wieder wird uns ein sonniger Tag geschenkt, leider ohne Wind ┬ľ Mensch, du kannst doch nicht alles haben! ┬ľ eine spiegelglatte Meeresoberfl├Ąche, tiefblaue See, die in einen azurblauen Himmel ├╝bergeht. Ich setze mich wieder in den Bugkorb und lass meine Gedanken fliegen, w├Ąhrend ich das sanfte Heben und Senken des Bugs in der leichten D├╝nung genie├če.

Da erscheinen aus dem deep blue R├╝ckenflossen von Delfinen! Eine Schule von 8-10 Tieren beginnt, mit uns zu spielen. Zum Greifen nah, unter meinen F├╝├čen tauchen sie in der Bugwelle auf und ab┬ů

Es sind ber├╝hrende Minuten, lange begleiten sie uns und verschwinden, so wie sie gekommen sind, in den tiefen des Meeres.

Backbord querab machen wir etwas Gr├Â├čeres, Treibendes: ein totes Schaf.

Wir bergen es nicht!

Bei der Zufahrt nach Knidos habe ich Wache.

So darf ich durch die antike, teils unter Wasser liegende, Hafeneinfahrt steuern. Der einzige Holzsteg ist frei, ich lege steuerbord l├Ąngsseits an. Hermann gibt mir per Handzeichen den Abstand zum Steg an.

Da wir schon gegen 14.00Uhr dort sind, haben wir gen├╝gend Zeit f├╝r den Landgang, ehe wir dann am Abend noch nach Bodrum weiterwollen.

ABER dieser Hafen, kreisrund, umgeben von der Antiken Stadt Knidos, dem Amphitheater und dem kleinen Fischerhafen auf der gegen├╝berliegenden Seite der Landzunge verzaubert uns. Wir brechen z├╝gig auf zum Landgang, eine Wanderung von ca 30 min zum Leuchtturm. Es geht stetig bergan, am Ende sogar richtig steil, hinauf zum ┬äFeuer┬ô. Die Macchia duftet nach Thymian, die Sonne brennt, ein sanfter Windhauch verschafft kaum Abk├╝hlung. Oben angelangt werden wir von einem m├Ąrchenhaften Blick belohnt: Tilos, Nisyros, Kos, Bodrum auf der anderen Seite des Golfes von G├Âkova.

Hermann und Harald treibt es zur├╝ck zu EMILIA, die ja ohne Schlo├č schutzlos am Steg liegt. Auch ein Bier im Restaurant beim 4-Augen-Gespr├Ąch ist wieder einmal f├Ąllig f├╝r die beiden senior executives. Wir, die operative Ebene, macht eine ├ťberschreitung zum benachbarten Gipfel mit einem weiteren atemberaubenden Ausblick in die griechische Inselwelt.

Durch das felsige Gebiet fl├╝chten sich ein paar Schafe. Jetzt wissen wir, woher, das treibende tote Schaf wahrscheinlich kam.

Der Rückweg ist teilweise schwierig, geht zwischen dornigen Büschen teils weglos bergab, vorbei an antiken Mauerresten und Tonscherben, immer mit Blick auf die zwei „Augen“ der Bucht, auf das Theater am gegenüberliegenden Hang und unser Schiff.

Am Restaurant sitzen Harald und Hermann beim Bier auf der Terrasse, immer unsere EMILIA im Auge, aber noch nicht fertig mit dem Zwischenzeugnis der Crew. Wir setzen uns dazu und trinken alle auf Manfreds Wohl. Danach st├╝rzen sich alle zuerst auf die Schokoladentorte und dann kopf├╝ber ins t├╝rkise Blau der Bucht. Heute bleibt die K├╝che kalt, die gesamte Crew geht ins Restaurant, dessen ehemaliger Besitzer in Seglerkreisen einen ├╝blen Ruf hat, weil er sehr gerne HORRENDE Preise gefordert hat. Davor wird Hermann bei einem fetten Lik├Âr-Rum bei der Nachbar-Crew von Werner und Roger gewarnt. Obwohl der Rum schon seine Wirkung zeigt, wird Hermann intensivst  mit dem Wirt feilschen. Erfolgreich, aber schon deutlich ├╝ber der Schmerzgrenze! Es ist schon manchmal nicht einfach mit uns Deutschen! ┬ľ stellen Harald und ich einvernehmlich fest, Sigi h├Ąlt sich vornehm zur├╝ck.

Vorher aber hat, noch w├Ąhrend ich mich vom herrlichen Bad und Decksdusche abtrockne, eine Rennyacht angelegt. Der Skipper bittet uns, uns wegen seinem Tiefgang von 3,30m (!!!!) weiter Richtung Land zu verholen. Dies lehnt unser Skipper jedoch vehement ab, mangels ausreichender Wassertiefe auch f├╝r uns.

 

Zum Geburtstag von Manfred gibt es exzellenten Grillfisch, vorher einen Berg verschiedenster Vorspeisen und Bier. Bei Dunkelheit, die immer fr├╝her hereinbricht, sind wir an Bord, lassen den Tag feiernd mit Lachen und Reden ausklingen.

Wir sind uns einig, dass es ein au├čergew├Âhnlich sch├Âner Geburtstag war!

 

Die Morgen an Bord sind gez├Ąhlt, es ist schon Dienstag, der 6. November. Hermann und Hans sind mal wieder die ersten ┬ľ 7.00Uhr. Bis sich das Vorschiff aus den Kojen sch├Ąlt dauert es fast bis 8.00Uhr. Dann erfolgt aber auch sofort der Sprung ins Meer, Decksdusche und Fr├╝hst├╝ck. Ablegen gegen 9.00Uhr ┬ľ Das war mein letztes Bad im Meer f├╝r dieses Jahr!

 

 

 

 

Unser Ziel ist Bodrum.

Das Wetter ist uns wohl gesonnen, besonders Aeolus meint es gut und l├Ąsst es um 4 Bft blasen. ┬äAu├ča mit da W├Ąsch!┬ô t├Ânt es da auch sofort nach Verlassen der Bucht von Knidos.

Wir haben uns inzwischen an diese ├Âsterreichische Art der Aufforderung zum Setzen der Segel gew├Âhnt und erreichen mit halbem Wind und Vor-Wind-Kurs angenehme Reisegeschwindigkeiten. Noch einmal k├Ânnen wir Schmetterling fahren und den provisorischen Bullenstander einsetzen. Wir segeln um die Landzunge von Knidos in Richtung Kos und drehen dann nach Bodrum ab.

Beim Blick auf den Leuchtturm hoch ├╝ber uns, meint Hermann: ┬äJa, da warn wir oben┬ů. Und EHRLICH gsagt, von hier aus, sieht der VIEL sch├Âner aus!┬ô

Um 15.00Uhr legt Manfred sicher und z├╝gig in der Marina von Bodrum zwischen zwei Yachten an Muring und Heckleinen an. Obwohl wir unterwegs nichts gegessen haben, wollen wir gleich auf die Kreuzfahrer-Burg. Die Stadt ist am Hafen belebt, aber nicht voll, es ist keine Saison mehr. Leider geht auf halbem Weg ein heftiger Regenschauer nieder und wir suchen, wie alle T├╝rken unter den Schirmen eines Cafes Schutz und ein Getr├Ąnk: Efes, Raki oder Cola. Dann geht┬ĺs weiter, durch den Basar und die Stadt. Hier finde ich auch ein paar coole Lederarmb├Ąnder f├╝r David und Jonas, Harald ein FC-Bayern-Schweinsteiger-Shirt. Als wir um 16.15Uhr am Burgtor stehen, wird uns der Eintritt verweigert: 16.30Uhr Schlie├čung. Morgen wieder ab 8.30Uhr. Die Burgbesichtigung wird wohl ohne uns stattfinden m├╝ssen.

Beim Streifzug durch die Stadt entscheiden wir uns f├╝r ein Restaurant an der Molenseite der Stadt und speisen mit Blick aufs Meer. Wir glauben es kaum: Hans isst heute seinen DRITTEN Grillfisch!

Zur├╝ck an Bord genie├čen wir die laue Luft, den Wein aus dem K├╝hlschrank und freuen uns des Lebens!

Es war ein sch├Âner Tag!

Ich hab meine Postkarten wieder NICHT eingeworfen.

Nach Duschgang und Fr├╝hst├╝ck verlassen wir Bodrum um 9.00Uhr. Unser Tagesziel ist Altinkum, eine Bucht in der N├Ąhe von Didyma. Es bl├Ąst ein kr├Ąftiger Wind und so kommt Sigi, als Wachhabender, kaum aus dem Hafenbecken drau├čen auch schon mit seinem Befehl zum Segel setzen. 6-7kn Fahrt ┬ľ volle Segel bei halbem Wind ┬ľ ein Traum!

Der beste Smut von allen, Manfred, zaubert zu Mittag Semmelkn├Âdel mit Eiern anger├Âstet, dazu Gurken-Paprika-Salat mit roten Zwiebeln.

K├Âstlich!

Als Nachtisch folgt dann bei 4-5kn Fahrt vor dem Wind eine Delfin-Show vom Feinsten: es sind VIELE, noch mehr als beim letzten Mal! Sie begeistern uns, spielen geradezu mit uns. Durch Klopfen an die Bordwand k├Ânnen wir sie zum Schwimmen in der Bugwelle, teilweise mit dem Bauch nach oben, zum Springen und Klatschen aufs Wasser animieren. Das Spiel dieser eleganten Tiere, ihre Anmut im Wasser raubt uns den Atem. Sie begleiten uns bis zur Einfahrt in die Zielbucht.

Links von Altinkum liegt eine neue Marina, die wir aber nicht anlaufen wollen. Denn die Bucht rechts des Fischereianlegers eignet sich sehr gut zum Ankern.

Sigi f├Ąhrt das Ankerman├Âver, das Eisen f├Ąllt auf 4 m, wir stecken 30m Kette, machen mehrere Ankeralarme scharf und springen erstmals NICHT ins Wasser. Es ist k├╝hler und windiger geworden.

Also klarieren wir das Dingi und setzen zu sechst an Land ├╝ber. Der Strand ist jetzt in der Nachsaison ausgestorben, nur ein paar verlorene Angler und Jugendliche lungern herum, die ziemlich maroden Hotelanlagen verwaist und machen einen durchwegs verwahrlosten Eindruck. Ein gro├čer Steh, dessen Planken entfernt worden waren dient uns als Anleger. Kaum sind wir jedoch am Strand, warnt uns ein ┬ädeutscher┬ô T├╝rke, Rentner aus Berlin, vor klauenden Kurden. Harald und Hermann nehmen das sehr Ernst und wollen nicht mit zum Essen gehen. Deshalb wird die operative Ebene mit einem Handfunkger├Ąt ausgestattet, w├Ąhrend die Senior Executives ihr regelm├Ą├čiges Vier-Augen-Gespr├Ąch im Cockpit f├╝hren, was f├╝r Harald keine leichte Situation ist.

Beim t├╝rkischen Inder (?) essen wir zu Abend, die aufgezogenen Gewitterwolken l├Âsen sich zum Sonnenuntergang wieder in nichts auf. Ehe wir zum Strand aufbrechen, besorgen wir f├╝r unsere beiden Skipper noch einen D├Âner Kebab und rufen dann Hermann ├╝ber Funk zum ├ťbersetzen. An Bord wird der weitere Abend bei Musik, mit der uns der beste Skipper und DJ von allen, und Wein sehr fr├Âhlich und sehr feucht, so dass sich Hans, Sigi und Harald gegen 20.00Uhr gezwungen sehen, erneut an Land zu gehen, um die Weinvorr├Ąte aufzustocken: 2xRot, 2xWei├č.

Das sollte aber nicht dar├╝ber hinwegt├Ąuschen, dass das alles keine leichte Situation f├╝r Harald ist!

Bis kurz vor Mitternacht genie├čen wir das sanfte Schaukeln von EMILIA, den frisch erstandenen Wein, die wunderbare Musikmischungen von Harald und achten genau darauf, dass uns keine Engell├Ąnder ├╝berfallen. Denn DAS w├Ąre dann wirklich keine leichte Situation f├╝r uns alle!

 

Zwischen 1 und 2.00Uhr werde ich wach und gehe zur Toilette. Drau├čen blitzt und donnert es, Wind ist aufgekommen. Hermann h├Ąlt Wache, Hans ebenfalls. Der Anker h├Ąlt!

Gegen 3.00Uhr beruhigt sich die Lage wieder.

Um 8.00Uhr hei├čt Harald: Anker auf ┬ľ wir legen ab.

 

Zielhafen Kusadasi ┬ľ EMILIAs und unsere letzte Etappe in diesem Jahr.

 

Der Wetterbericht hat keine guten Nachrichten f├╝r uns: Wind aus Nord, 6-7Bft gegen Abend ansteigend in B├Âen 8-9Bft, 3-4m Welle.

Da z├Âgere ich nicht lange und klebe mir ein Pflaster hinters Ohr, Manfred tut das gleiche. Au├čerdem mache ich mich seefertig mit Musto-Hose und Northface-Pulli, Rettungsweste und life-belt liegen griffbereit.

Unter Motor geht es gem├Ąchlich aus der Bucht. Leider ist es unm├Âglich einen segelbaren Kurs zu fahren, wir lassen aber Genua und Gro├č zu ┬╝ als St├╝tzsegel aus.

Im Laufe des Vormittags nimmt der Wellengang st├Ąndig zu, wir bolzen unter Motor und mit zunehmendem Wind voll auf die Nase gegenan.

Angst frisst mich an. Ich habe mir neben dem ├ľlzeug auch den IPod an Deck genommen und bekomme mein M├╝tchen mit lauter Musik von Bon Jovi, Scorpions und Hurts direkt ins Gehirn in den Griff. Sp├Ąter muss aber dann auch noch der GRAF seinen Beitrag leisten. Langsam werden meine F├╝├če kalt und ich beginne dar├╝ber nachzudenken, wann und wie ich mir die wasserdichten und warmen Stiefel an Deck hole. Meine Gedanken sind noch nicht ausgereift, als mir Sigi anbietet, sie zu holen. Was f├╝r ein wunderbares Angebot! SUPER! Danke, Sigi!

Vor der Stra├če von Samos frischt der Wind weiter auf, aber die See wird flacher. Manfred n├╝tzt dies, um Nudelsuppe zu kochen, w├Ąhrend mich ein Nickerchen erfrischt. Kaum haben wir passiert, t├╝rmen sich die Wellen schlagartig und gewaltig wieder auf und brechen regelm├Ą├čig. Es werden sogar immer h├Ąufiger auch die Schaumkronen verblasen. Ich gehe noch schnell einmal auf die Toilette und ducke mich dann wieder in der N├Ąhe des Niedergangs unter das Sprayhood, weil mittlerweile regelm├Ą├čig Wasser ├╝ber kommt. Die Suppe ist fertig, ich kann sie riechen; die Crew isst in Schichten bzw. teilweise an Deck oder im Niedergang ┬ľ ich NICHT. Allein die Vorstellung des Essens oder gar UNTER Deck zu gehen verursacht Brechreiz┬ů. Ich st├╝rze ans Heck und h├Ąnge mich in den Heckkorb backbordseitig. Das ging gerade noch einmal gut!

Da ich sowieso dauernd eine warme Meerwasserdusche bekomme, stehe ich auf und ┬äreite┬ô ├╝ber die Wellen, die mich beim Ritt nach unten ins tiefe Nass tauchen. Hans steht wie ein 14j├Ąhriger Klabauterjunge lachend und gl├╝cklich am Ruder. Sigi sitzt im Niedergang, Harald liegt in seiner Koje, Hermann zwischen den Zigaretten im Salon. Manfred kommt nach aufklarieren der Pantry an Deck und sieht ziemlich bla├č aus. Ich fordere ihn auf, sich den lifebelt umzulegen. Er geht nach unten, und das war┬ĺs: ich bin schuld, dass er die n├Ąchste halbe Stunde in der Dusche fest h├Ąngt.

Hans freut sich ├╝ber jede Welle. Der Motor schafft bei 1600 Umdrehungen oft nur 2,5kn, die Landmarken kommen und kommen nicht n├Ąher.

Aber der graue Himmel bietet zunehmend L├╝cken mit Sonnenschein, was fantastische Stimmungen aufs Wasser zaubert: Das Meer ist wild, brechende Wellenk├Ąmme und silbrige Lichtstra├čen fangen das Auge ein, glitzernde Gischttropfen erf├╝llen die Luft. Die Musik dazu liefert der Wind, der in den Wanten heult.

Endlich k├Ânnen wir in 6-9sm Entfernung Kusadasi ausmachen.

Aber wegen mehrerer Gefahrenstellen d├╝rfen wir die Hafeneinfahrt nicht direkt ansteuern, sondern m├╝ssen die Sonderzeichen erst steuerbord liegen lassen, ehe wir von 25┬░ auf 90┬░ abfallen k├Ânnen und surfen dann mit 7-8kn auf die Einfahrt zu. Die Abdrift ist gewaltig.

In der Setur Marina von Kusadasi finden wir eine guten Platz zwischen zwei Yachten, bekommen von den Marineros die Muring vom Dingi aus zugereicht, und Manfred bringt EMILIA gegen den Wind mit Heckleinen an den Steg.

Wir haben den Eimer in den Hafen gerammt.

Kein Mann, nicht mal eine Frau ging verloren!

 

Gro├če Erleichterung erfasst uns, ein Anlegeschluck mit Efes schmeckt herrlich. Und diesmal schlie├čt sich sogar Hans an und trinkt BIER statt Cola!!!!

Beim Abendessen im „Ali Baba“ am Kreuzfahrtschiff-Anleger schmeckt der Fisch und der Wein, allerdings schwankt das Lokal gewaltig. Jetzt sind wir landkrank!

Auf dem Heimweg machen wir die Taxifahrt f├╝r den letzten Tag klar: wir wollen nach Ephesus.

 

Nach der Schiffsübergabe am Freitagmorgen, einer Dusche, die meine Haare endlich entsalzt sowie einem Frühstück machen wir uns nach Ephesus auf. Wir haben für einem 3 stündigen Aufenthalt in der Ruinenstadt für den Transport per Taxi für uns sechs 40€ ausgehandelt.

Nach einer ca halbst├╝ndigen Fahrt erreichen wir Efes, das antike Ephesus.

├ťber den oberen Eingang schlendern wir durch die alte Stadt, vorbei am Domitian Tempel durch das HeraklesTor und zu den ├Âffentlichen Toiletten. Die antike Kuretenstra├če ist prachtvoll und f├╝hrt uns zur Celsusbibliothek und der unteren Agora.

Von hier aus ist das gro├če Amphitheater, das damals schon 25000 Zuschauer fasste zum Greifen nah.

Wir lassen uns treiben, durch die alten Gassen, vorbei an den Hangh├Ąusern, f├╝r die ein extra Eintritt (6┬Ç) verlangt wird, zur├╝ck durch das prachtvolle Herakles Tor. Ab hier war damals schon Fu├čg├Ąngerzone, f├╝r Wagen und Pferde also Sperrgebiet.

Das Licht mit dem stahlblauem Himmel bei einem allerdings sehr frischen Wind, die zum Teil grandios erhaltenen Geb├Ąude lassen das Treiben der alten Hafenstadt, die nun etliche Kilometer im Landesinneren liegt, vor unseren Augen lebendig werden. Mich erinnert das alles sehr an die toten St├Ądte in Syrien und die fantastische Oasenstadt Palmyra. Dort war es ein paar Grad w├Ąrmer.

Diese Gemeinsamkeiten machen den engen Zusammenhang des Kulturraumes Mittelmeer seit Jahrtausenden deutlich und nehmen mich gefangen. Eine atemberaubende Welt war das damals und ist es immer noch. Ich bin sehr froh, dass wir diesen Landausflug gemacht haben und finde es schade, schon am n├Ąchsten Vormittag aufbrechen zu m├╝ssen, nach Hause, in das lichtarme Deutschland respektive ├ľsterreich┬ů

 

Den Abend und diesen wunderbaren T├Ârn lassen wir ausklingen beim Abendessen, wobei Hans zum VIERTEN Mal Fisch isst!

 

Den allerletzen Vormittag im S├╝den f├╝r dieses Jahr verbringt jeder f├╝r sich bzw in Kleingruppen: letzte Mitbringsel besorgen, ein Besuch beim Barbier, einfach Schlendern am Hafen entlang zur Taubeninsel.

Gegen Mittag f├Ąhrt uns das von Ecker organisierte Taxi f├╝r 18┬Ç pro Person ins knapp 100km entfernte Izmir.

Von dort geht┬ĺs im komplett ausgebuchten Flieger nach M├╝nchen.

 

Mit einem weinenden Auge verabschieden wir uns am Abend von einander, freuen uns ├╝ber das Wiedersehen mit unseren Familien, und wollen doch nichts anderes als┬ů..

WIEDER AN BORD ZU GEHEN.

 

Andrea

 

 

 

 

 

2004 Segelclub Deggendorf e.V.