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 SSSegeln im ├ľstlichen Mittelmeer von G├Âcek nach Kas und zur├╝ck nach Marmaris

 

Am 16.4.2004 hatten wir den "point of no return" erreicht. Diese so gef├╝rchtete und in der einschl├Ągigen Literatur oft genannte Klippe, wenn einmal umschifft, wird nie wieder gesichtet und zwingt den Seemann zu unbedingtem Gehorsam, was bedeutet, er hat sich dem Meer mit Haut und Haar verschrieben.

Auch uns war es so ergangen: nach dem Erhalt der Lizenz zum F├╝hren eines Schiffes heuerten wir Hals ├╝ber Kopf auf einer Yacht in der T├╝rkei an. Da├č die Abfahrt erst 6 Monate sp├Ąter stattfinden w├╝rde, st├Ârte uns nicht im geringsten, stellte aber unsere Geduld auf eine harte Probe.

Im Rahmen einer Studenten-Freundschafts-Wiedervereinigungs-Feier erweiterte der Skipper die bestehende Crew ( Matthias, Andrea, David und Jonas ) um eine Meernixe namens Barbara und einen Hahn namens Jochen. Gemeinsam machten wir uns am Samstag den 30.10. auf ins Land des Halbmondes, per Flugzeug nach Dalaman, vorher gest├Ąrkt durch einen kr├Ąftigen Ablegeschluck im Kreise der Familie.

Es ist unser erster T├Ârn ohne unsere Lehrmeister, die uns in die Geheimnisse der Schiffslenkung eingeweiht hatten. Der Abschied f├Ąllt den Eltern und Gro├čeltern daher etwas schwer - wir k├Ânnten ja auf dem Meer bleiben.

Noch zwei Tage vor Abreise rief am Abend der Vercharterer an und bat uns, statt der 39er Oceanis mit der 45er Sun Odyssee Vorlieb zu nehmen, da "unser" Schiff vom Eigner gebraucht wird. Mit etwas mulmigem Gef├╝hl in meinem Bauch willigten wir ein.

Am fr├╝hen Nachmittag landen wir nach einem herrlichen Flug ├╝ber die mit frischem Schnee ├╝berzuckerten Alpen im S├╝den der T├╝rkei auf einem kleinen Rollfeld. Ein warmer Wind schl├Ągt uns entgegen und wir werfen die dicken Winter/Segelpullover ├╝ber die Gep├Ąckst├╝cke.

Sheriffer, hei├čt unser liebensw├╝rdiger Chauffeur, der vor der Ankunftshalle mit einem Mercedes Vito auf uns wartet und uns beim Transport nach dem 20km entfernten G├Âcek auf die ├Ârtlichen Aussichtspunkte aufmerksam macht und Fotostops einlegt.

Vorbei an der "Mosche" - gesprochen mit kurzem "o" - biegen wir in einen gepflasterten Parkplatz ein und schleppen staunend ob der s├╝dlichen reichen Vegetation die Ausr├╝stung Richtung Anlegesteg. Dieser befindet sich dirckt hinter der H├Ąuserzeile vor einem Restaurant. Unser Schmuckst├╝ck hei├čt "INSIDER" und strahlt in der Nachmittagssonne eine unglaubliche Majest├Ąt aus. Matthias und ich machen uns auf den Weg zum Charterb├╝ro, im ersten Stock der H├Ąuserzeile gelegen, malerisch oberhalb einer dichten Weinlaubdecke ├╝ber einem t├╝rkischen Cafe.

Sorgf├Ąltig wird alles besprochen und die Kaution nach Besichtigung der Yacht hinterlegt.

Bis diese Prozedur, f├╝r alle nicht unmittelbar Beteiligten eine folternde Geduldsprobe, ├╝ber die B├╝hne ist, spielen die Kinder am Kai und Barbara und Jochen z├Ąhlen die Gep├Ąckst├╝cke durch.



Als ich nicht mehr gebraucht werde, machen Barbara, Jochen und ich uns auf zum Einkauf in den nahegelegenen Supermarkt, bei dem wir mehrere Millionen Lire lassen. Die vielen Nullen auf den Scheinen machen einen ganz wirr und der ├ťberblick ├╝bers Geld ist rasch verloren. Dies wird jedoch von nahezu keinem der einheimischen H├Ąndler ausgen├╝tzt.

Endlich kurz vor Sonnenuntergang laden wir unsere Habseligkeiten in den Schiffsbauch und beziehen unsere Kojen. Nach dem Anlegeschluck gibt's im benachbarten Lokal unter bl├╝henden Hibiskus-b├Ąumen ein t├╝rkisches Menue. Unter einem s├╝dlichen Sternenhimmel schlafen alle selig ein.

 

Am n├Ąchsten Morgen pr├Ąsentiert sich das Wetter von seiner besten Seite, strahlend blauer Himmel, 24┬░C und ein laues L├╝ftchen aus Osten mit 2 Bft. Nach einem Fr├╝hst├╝ck in bester Laune legen wir um 1000 ab. Noch im Hafenbecken stellen wir fest, da├č die Logge nicht funktioniert, so da├č wir unter den Augen der Charterbasis sogleich ein erstes Anlegeman├Âver durchf├╝hren m├╝ssen. Alles l├Ąuft wie am Schn├╝rchen, die Logge wird vor Ort und sofort repariert, der zweite Anlauf: wir kommen keine 200 m weit, da ruft mich der Skipper aus der Pantry: das Ruder blockiert! Eilig suche ich nach der HandyNr. der Charterbasis, da kommt auch schon die Entwarnung: der Autopilot war eingeschaltet!

W├Ąhrend der Ausfahrt aus der Bucht von G├Âcek erfolgt eine weitere Bootseinweisung und um 1045 ist es soweit: Roll aus Gro├čsegel!

Bis der Wind am fr├╝hen Nachmittag einschl├Ąft probieren wir einige leichte Man├Âver, die Crew spielt sich schon ein. Die herrliche K├╝stenlandschaft mit unz├Ąhligen kleineren und gr├Â├čeren Buchten und das Traumwetter lassen uns sofort alle Alltagsgedanken vergessen. Bald beginnt Jochen mit Jonas Backgammon zu spielen, David patrolliert ├╝bers Deck und kontrolliert die Schotten und das Dingi. Am Nachmittag wird Matthias das Motoren zu dumm, und er besteht auf einen Segelversuch: mit allen Tricks und viel Geduld gelingt uns bei Kurs 326┬░ und einem leisen Zug aus Osten ein Schmetterling, der uns bis zu unserem ersten Etappenziel (21sm) - die Quellenbucht - bringt.

Das Ufer f├Ąllt hier, im Gegensatz zu den meisten Buchten relativ flach ab, so da├č es uns nicht geboten scheint, eine Landfeste auszubringen. Wir werfen also Anker, wieder ein neues Man├Âver f├╝r uns. Der Skipper ernennt mich zur Anker-Fee und mit Konzentration und Vorsicht, ich habe gro├čen Respekt vor einem baumelnden Anker, der dem Rumpf h├Ą├čliche Verletzungen zuf├╝gen k├Ânnte, kann nach 15min der Motor ausgemacht werden. Unser Hand-GPS h├Ąlt Ankerwache, das Dingi wird ausgebracht und die Kinder erkunden mit Jochen und Matthias das Ufer. Barbara, die Meer-Hexe hat mittlererweile schon mehrfach gebadet, ich schlie├če mich an, und wir drehen vor dem Abendessen ein paar Runden um die Insider. Danach geht's ans Kochen: Steaks mit Reis. Auf den speziellen Wunsch von Barbara hatten wir Martini gekauft, der nun bei Sonnenuntergang an Deck der sanft schaukelnden Yacht einfach nur herrlich schmeckt.

Die M├Ąnner berichten von mysteri├Âsen Felsengr├Ąbern an Land, so da├č f├╝r den n├Ąchsten Morgen eine weitere Expedition geplant wird.

 

Die Nacht war angenehm mild, wir schreiben den 1.November und springen noch vor dem Fr├╝hst├╝ck ins Meer. W├Ąhrend die M├Ądels sich gem├╝tlich fein f├╝r den Tag machen, erfolgt die zweite Erkundung der Felsengr├Ąber und eine erste Kontaktaufnahme zu ubiquit├Ąr vorhandenen Ziegenhorden durch die Jungs.

Um 0940 lichten wir den Anker und setzen auch bald Segel, trotz wenig Wind wie am Vortag. Das Mittagessen brutzeln Barbara und ich unter Segel vor - Champignons mit Zwiebeln und Tomaten dazu Vollkornbrot, Paprika und Feta. Beim Speisen genie├čen wir die Langsamkeit des Seins in diesem herrlichen Archipel. Unser Ziel heute ist die Kaltwasserbucht ( 21 sm ). Wir sind mit unserer Sun Odyssee die ersten in dieser malerischen, von oben betrachtet, herzf├Ârmigen Bucht und suchen uns eine sch├Âne Stelle zum Ankern und Ausbringen der Landfeste.

Jetzt schl├Ągt die Stunde der j├╝ngsten Crewmitglieder, die den Hahn zum Felsen rudern, wo sie unter lautstarken Befehlen des Skippers die Leinen festmachen.

W├Ąhrend wir schon den wohlverdienten Anlegeschluck genie├čen, kommen zwei weitere Yachten und suchen sich ein Pl├Ątzchen. Beim abendlichen Bad bem├Ąngeln deren Frauen, die k├╝hlen Unterwasserstr├Âmungen, hervorgerufen durch die S├╝├čwasserquellen. Manche Menschen finden einfach ├╝berall Haare in der Suppe! Die Sonne geht hier schon fr├╝h unter, um 1730 setzt die Dunkelheit ein, so da├č David und Jonas uns Erwachsene - jeden einzeln! - schon mit Taschenlampe ├╝bersetzen, denn am Ende eines kleinen, mit romatischen, mit Laternen markierten Pfades hatten wir ein Restaurant ausgemacht. Drei Burschen waren aus Fethiye mit dem Motorboot herangebraust und wollen f├╝r uns kochen: Wildschwein oder Fisch, als Vorspeise Gem├╝seplatte. K├Âstlich!

 

Es ist Dienstag, bereits um 0800 lesen wir 18┬░C Au├čentemperatur ab und springen kopf├╝ber ins badewarme Mittelmeer. Kaum wieder an Bord und klar zum Fr├╝hst├╝ck, umkreisen uns kleine Boote und bieten ihre Ware feil: Pfannkuchen mit Honig. Matthias l├Ą├čt sich breit schlagen und kauft zwei ab, die wir redlich untereinander aufteilen - eine kleine K├Âstlichkeit am Morgen, die den Serotonin-Spiegel und damit die Stimmung hebt. Kurz darauf, als Barbara, die Meernixe, in einem meerblauen Kleid ins Cockpit steigt, umschw├Ąrmen weitere Boote die Insider. Die Sch├Âne fl├╝chtet wieder nach unten und Matthias meint: "Die werden wir gleich los. Andrea, steig doch du einmal nach oben!" Naja....

Wie jeden Tag vorher versuche ich vergeblich, den f├╝r uns g├╝ltigen Wetterbericht auf UKW abzuh├Âren, aber es kommen nur "gale-warning Ionian Sea". Das an Bord befindliche Navtex funktioniert nicht. Da unsere heutige Etappe etwas gr├Â├čer ist, 36sm bis Kalkan, brechen wir bereits um 0830 auf. Bei absoluter Windstille, ├Âliger glatter See wird halt wieder einmal motort. Das allerdings gibt uns an diesem sehr warmen Tag viel Gelegenheit zum Baden. Immer wieder schalten wir den Motor aus und treiben auf dem tintenblauen Meer, in das wir uns kopf├╝ber oder auch mit dem Bauch voran vom Bug aus st├╝rzen. Wie schon am ersten Tag sehen wir h├Ąufig fliegende Fische. Das Mittagessen nehmen wir im Sonnenschutz des Biminitops ein, w├Ąhrend uns Barbara immer wieder einmal vorliest, was es an Land, westlich von Kalkan, f├╝r Ausgrabungsst├Ątten zu bewundern gibt. Pataro soll sehr sehenswert sein, so da├č wir in Erw├Ągung ziehen von Kalkan aus einen Landausflug zu unternehmen.
Der F├╝hrer schildert die Anreise zeitaufwendig, und wir w├╝rden einen ganzen Tag auf See verlieren. Das wollen wir uns nicht leisten.

Am Nachmittag k├Ânnen wir dann bei 1-2Bft aus NE die Segel l├╝ften, in Fahrt kommen wir nicht wirklich. Warship Southhampton ├╝bt vor Rhodos, und wir k├Ânnen den Funkverkehr mith├Âren. Jedes "plaisure boat", das sich zu nahe an den Koloss wagt wird sofort angerufen und mu├č sich per Funk mit MMSI, callsign, Name und Eigner ausweisen. Um 1700 erreichen wir den Hafen Kalkan - ein sehr orientalisch anmutender Ort. Der Hafen ist U-f├Ârmig und angelegt wird mit Buganker und Murings. Matthias teilt jeden ein, erkl├Ąrt, was passiert und danach l├Ąuft alles wie besprochen ab. Ein perfektes Anlege-Man├Âver!

Barbara erkl├Ąrt Matthias zum Super-Skipper, das verdient ein Extraglas auf ihn. Vorher jedoch eilen wir durch die Stadt, da die "Drogen"-Situation an Bord bedrohlich wird - kein Bier, wenig Wein, keine Zigaretten. Die Hafengeb├╝hr betr├Ągt hier 40 000 000 TL (gesch├Ątzt 20┬Ç), ohne Toiletten/Duschennutzung - das kostet extra. Nach Einbruch der Dunkelheit marschieren wir durch den an einem Hang gelegenen Ort auf der Suche nach Essen. Es duftet gar k├Âstlich an jedem Eck, aber Barbara hat genaue Vorstellungen von unserem Restaurant und wir suchen so lange, bis wir Ali gefunden haben. Auf seiner Dachterrasse mit herrlichem Blick ├╝ber den Hafen und aufs Meer hinaus genie├čen wir t├╝rkische Gastfreundschaft und Leckereien aus 1001 Nacht.

Der Muezzin ruft zum Gebet und uns wird klar: "im Orient, im Orient, wer jeder seinen Namen kennt..." Die Nacht wird hei├č, stickig, M├╝cken zwicken und Bauarbeiter h├Ąmmern und klopfen bis sp├Ąt. Als diese endlich auch in die Federn sinken, werden sie abgel├Âst von den herumstreunenden Hunden, die sich mit ihrem Gekl├Ąff Aufmerksamkeit verschaffen.

 

Am Mittwochmorgen kriechen wir etwas ger├Ądert aus den Kojen. Beim Fr├╝hst├╝ck wird deutlich, da├č es h├Âchste Zeit wird, die Insider wieder einmal auf Vordermann zu bringen. Ich erkl├Ąre mich dazu bereit und bleibe an Bord, w├Ąhrend der Rest der Crew auf Landgang ausfliegt. Der Jockel hat so lange Haare, da├č es sich beim ├Ârtlichen "Koaf├Âr" behandeln l├Ą├čt.



Ein Haarschnitt in der T├╝rkei ist ein kleines Wellness-programm mit Na├črasur, Gesichtsmassage, Ausbrennen der Nasen- und Ohrenhaare. Uns stellt's alle Haare auf bei Jochens Erz├Ąhlung, aber er beteuert, da├č die Prozedur sehr angenehm gewesen sei.

Die Insider sieht mittlerweile auch wieder aus wie eben aus dem Hamam entlassen. Nachdem auch die Wassertanks gef├╝llt sind, lichten wir um 1000 den Anker und nehmen Kurs auf Kas, unseren Umkehrpunkt. Die Tagesetappe betr├Ągt nur 16sm, wir haben alle Zeit der Welt bei Bft 0-1 die Segel zu setzen und wieder zu bergen, wieder zu setzen usw. Nebenbei wird ausgiebig im 24┬░C warmen Meer gebadet, die Wassertiefe betr├Ągt ca 1000m, so da├č keiner Angst haben mu├č, sich den Kopf anzuschlagen. Um 1330 speisen wir unter dem Biminitop allerlei Leckereien, die der K├╝hlschrank so hergibt.



Danach ist wieder Badezeit.

Dabei ereignet sich das Undenkbare: die Logbuchf├╝hrerin wird vom Skipper achtern aus ├╝ber Bord geworfen wegen unziemlicher Bemerkungen, der Kapit├Ąn l├Ą├čt allerdings, so seine Aussage, Gnade vor Recht ergehen und erspart ihr das Kielholen.

Um 1515 fahren wir in den Hafen von Kas und machen uns klar zum Landgang. Die Stadt ist ein gutes Ausflugsziel, denn oberhalb in den Felsen gibt es Felsengr├Ąber zu bewundern und etwas westlich gelegen sogar ein Amphitheater. Wir machen aber nur einen Stadtrundgang und erwerben Kr├Ąuter und Tees auf dem sehr orientalischen Basar. F├╝rs Abendessen kaufen wir auch ein, denn diese Nacht m├Âchten wir ruhig in der etwas s├╝d├Âstlich gelegenen Bucht ankern.

Im Schlick finden wir guten Halt, aber da etwas Wind aufkommt, beschlie├čt Matthias an Deck zu schlafen/wachen und Jochen leistet ihm Gesellschaft. Vorher aber bereitet uns Barbara ein tolles Auberginen-Hackfleisch-Menue, das sie bei ihrer Freundin Aishe gelernt hat.

Bei Sonnenuntergang ruft der Muezzin von der am Ufer gelegenen Moschee zum Gebet.


├ťber Nacht ist Wind aufgekommen bis 4Bft, so da├č wir in Erwartung eines echten Segeltages schon um 0810 den Anker lichten und auch gleich Segel setzen. Bei SE-Wind geht's mit Halb-Wind-Kurs z├╝gig voran, und wir erreichen bereits um 1400 den Strand von Kalkan. Hier m├╝ssen wir erneut einen Badestop einlegen, zumal da nun auch der Wind einschl├Ąft. Unter Motor geht's weiter Richtung Kaltwasser-Bucht.
Allerdings ziehen Wolken am sich verd├╝sternden Himmel auf. Um 1615 versuche Funkkontakt zur PUPA-Marina in G├Âcek herzustellen, was aber nicht gelingt. Die Abdeckung durch die K├╝stenberge ist wohl einfach zu stark.
Um 1730 f├Ąllt der Skipper die Entscheidung zur Weiterfahrt bis G├Âcek, was eine Nachtanfahrt bedeutet. Barbara und ich bereiten ein Abendessen vor, w├Ąhrend Matthias alles kl├Ąrt f├╝r die Fahrt im Dunkeln

( Untiefen, Leuchtt├╝rme, Wegpunkte etc.) Gegessen wird kurz nach Sonnenuntergang und dann wird's spannend: Die Ansteuerung ist nicht ohne, denn es sind ein paar Klippen zu umfahren ehe man in die Bucht gelangt.

Aber auch dann wird's nicht besser, denn die Betonnung ist katastrophal, zumal da 2-3 Marinas, der Stadthafen und eine Werft ihre Gr├╝n/Roten Tonnen gesetzt haben. Ganz langsam tasten wir uns vor, ein Gl├╝ck, da├č die Wassertiefe kein Problem darstellt! Barbara ist zum ├ťberspringen eingeteilt, Jochen und Jonas an den Leinen, ich fische und belege die Muring. David ist krank - Ohrenschmerzen.

2110: Insider festgemacht an der Muring unter der PUPA-Flagge. Mit 54 sm ist das unsere gr├Â├čte Tagesetappe gewesen.

 

Am Freitag, den 5.11. erwachen wir im Ausgangshafen und kaufen noch einmal im bekannten Supermarkt ein. David hat entsetzliche Ohrenschmerzen und Fieber. Ich entschlie├če mich zur Antibiotika-Therapie, da der Flug f├╝r ihn sonst nicht ├╝berstanden werden kann. Bevor wir erneut in See stechen, ├╝berpr├╝fen ich noch die Abflugzeiten am Sonntag, dann hei├čt's um 0930 "Murings los".

Mit Barbara haben wir nicht nur eine Hebamme an Bord, die brauchen wir auf dieser Fahrt nicht, sondern auch eine Schamanin, die David mit Reki behandelt, was auch prompt nach einer f├╝r Barbara anstrengenden 1/2 Stunde die Schmerzen lindert. Jochen bietet David noch eine Vollnarkose an, aber das heben wir uns f├╝r den Notfall auf.

Um 1400 bew├Âlkt es sich , daf├╝r kommt etwas Wind auf, wir k├Ânnen Segel setzen. Wir befinden uns im M├╝ndungsgebiet des Dalyan - Flusses, den man mit flachen Motorbooten flu├čaufw├Ąrts fahren kann. Es ist ein Naturschutzgebiet und soll wundersch├Ân sein. Diese Ausfl├╝ge starten von Maden Iskele ( 30 sm ), unserem Ziel f├╝r heute, und dauern einen ganzen Tag.
Den haben wir leider nicht mehr zur Verf├╝gung, denn am Samstagnachmittag soll die Insider in der PUPA-Marina in Marmaris im Winterquartier stehen. Die weite Bucht beschert uns allerdings die M├Âglichkeit ein paar Man├Âver zu ├╝ben, jeder darf einmal ans Ruder. Dabei gibt es etwas ├ärger unter den Crew-Mitgliedern, weil der Skipper, entgegen seinen sonstigen Gewohnheiten, keine eindeutige Aufgabenverteilung ausgegeben hatte. So kommt's, da├č der Hahn sich in seiner Koje beruhigen mu├č.

Abends wird dieses Problem noch ausgiebig in der freien Seglergruppe diskutiert, damit wir alle friedlich und freundschaftlich einschlafen k├Ânnen.

Maden Iskele mit seiner "My Marina" ist ein absolutes Mu├č! 

  
Internationale Segelyachten und eine traumhafte Kulisse machen dieses Nacht"Quartier" zu einem echten Erlebnis. Wir legen zwischen Schweden und einer Super-Nostalgie-Yacht aus England an, au├čerdem verbringen ├ľsterreicher ( wo sind die nicht?) und Franzosen die Nacht hier. Anlegegeb├╝hr gibt's keine, trotz Toiletten und Duschen, daf├╝r wird erwartet, da├č in dem edlen Restaurant auf dem H├╝gel mit Blick ├╝ber die Bucht eingekehrt wird. Das f├Ąllt uns nicht schwer, denn das Ambiente ist bezaubernd: ein mit Fackeln beleuchteter Weg f├╝hrt durch mediterrane Vegetation zwischen berauschend duftenden B├Ąumen auf die gro├čz├╝gige zum Teil ├╝berdachte/ geschlossene Terrasse. Etliche elegant gekleidete Ober k├╝mmern sich um unser leibliches Wohl und vor jedem Gang wird auf Servierw├Ągen und Platten, das Fleisch oder der Fisch zur Genehmigung und Auswahl demonstriert. Schlemmerland T├╝rkei!

Beim Abstieg zum Schiff jammert Jonas ├╝ber ├ťbelkeit und Schwindel, er kann kaum die Stufen gehen und ich mu├č ihn st├╝tzen. Nein, Alkohol war hier nicht im Spiel - der Junge ist landkrank! Ein Emesan-Z├Ąpfchen sorgen f├╝r Linderung und eine ruhige Nacht.

W├Ąhrend die Kinder schon schlafen, genie├čen wir 4 Gro├čen die laue Nacht und vernichten einen Gro├čteil unserer Weinvorr├Ąte.

 

Der letzte Tag an Bord "unseres" Schiffes beginnt schon im Morgengrauen - Jochen ist als erster wach. Er hat an Deck geschlafen. Geweckt wird er vom Kr├Ąhen diverser H├Ąhne und einem ohrenbet├Ąubendem Bienensummen. In den duftenden B├Ąumen sammeln sie im Sonnenaufgang flei├čig Nektar. Auch heute darf keiner ohne das obligatorische Bad im Meer an den Fr├╝hst├╝ckstisch. Dank der in der T├╝rkei bestehenden F├Ąkalientank-Pflicht kann man frei weg um ankernde Yachten schwimmen auch in kleinen engen Buchten.

Eine spezielle Treppe aus Holz, die das ├╝bersteigen von hohen Yachten an Land erleichtert veranla├čt den Jockel zu einer Rede. Darin teilt er uns mit, da├č er den T├Ârn sehr genossen habe, nun aber schweren Herzens von uns Abschied nehmen m├╝sse, da er bei den Engell├Ąndern als Smutje angeheuert habe. Er hoffe sehr, uns doch eines Tages irgendwo auf den sieben Weltmeeren wiederzusehen.

Nach einem Morgenspaziergang lichten wir um 0850 bei blauem Himmel und 22┬░C den Anker, um uns auf den letzten Teil unserer Reise zu machen. In der backbord Achterkaj├╝te trifft Barbara auf einen blinden Passagier: der Hahn. Er konnte uns nicht verlassen, au├čerdem waren die Engl├Ąnder pl├Âtzlich ohne ihn abgereist.

Bis 1100 k├Ânnen wir bei leichtem Wind etwas segeln, dann macht der Wind, so wie wir eine Mittagspause, die um 1300 beendet wird. Das Wetter verschlechtert sich, wir legen unsere Sicherheitsr├╝stung bereit, die wir um 1330 bei Bft 5 auch anlegen. Um 1400 m├╝ssen wir wegen B├Âen sogar reffen. Mittlererweile befinden wir uns in der Einfahrt zur gro├čen Bucht von Marmaris. Regen setzt ein und Gewitterwolken sind aufgezogen. Bei einer B├Âe machen sich die Vorschoten selbstst├Ąndig, weil die Kinder beim Aufklarieren der Schoten mit Schneckerlrollen die Achterknoten an den Enden entfernt hatten und wir es nicht bemerkt hatten. Matthias mu├č die tanzenden Schoten wieder einfangen und einf├Ądeln, das ist bei dem Wind und jetzt auch Seegang eine kitzlige Angelegenheit. Aber alles geht gut! Auf dem letzten St├╝ck zur PUPA-Marina liefern wir uns mit einer blauen Oceanis noch ein kleines Wettrennen, das wir f├╝r uns entscheiden k├Ânnen. Um 1535 legen wir in str├Âmendem Regen und unter Mithilfe der Marineros, sie dr├╝cken mit Schlauchboote den Bug der Insider gegen den Winddruck in die Box. Trotz der vielen Motorstunden tanken wir nur 81l, was einen Verbrauch von 3,1l/h bedeutet. Die letzte Etappe war 23sm lang und bei der ├ťbergabe des Schiffes k├Ânne wir uns 203 sm von der Marina best├Ątigen lassen. Beim Rundgang lernen wir auch unser eigentliches Schiff, die NEMO kennen, eine sehr schmucke Oceanis 39, ziemlich neu gegen unsere INSIDER, aber wir m├Âchte unser Zuhause f├╝r die letzten 8 Tage trotzdem nicht eintauschen.

Den Abend beschlie├čen wir im Marina-Restaurant, feiern unseren Super-Skipper und einen gegl├╝ckten, fr├Âhlichen T├Ârn, f├╝r den es wohl keine Fortsetzung geben wird, weil Barbara und Jochen beschlie├čen werden, nach Australien auszuwandern. Aber man soll ja auch dort ganz passable Segelreviere vorfinden!

 

Der 7.11. ist unser Abreisetag: wir sind alle landkrank und so traurig wie das Wetter. Davids Ohren geht's deutlich besser und Jonas freut sich als einziger auf die Schule!

Um 0915 holt uns unser Taxi mit Chauffeur Sheriffer ab, alles wird verstaut. Ciao, G├╝leg├╝le Insider!

Da wir ├╝ber eine Woche Urlaub hatten und das Ziel Marmaris und nicht G├Âcek war, mu├čten wir Gabelfl├╝ge w├Ąhlen, so da├č unser Abflughafen Antalya und nicht Dalaman ist. Dies beschert uns eine vierst├╝ndige Fahrt durchs t├╝rkische Hinterland. Wir durchqueren eindrucksvolle einsame Landschaften mit Karstgebiet und Canyons. Irgendwo im Niemandsland halten wir Mittagsrast in einem Stra├čenlokal, in dem wir noch einmal ├╝beraus gastfreundlich bewirtet werden. Kurz vor der 2Mio-Stadt Antalya macht Sheriffer noch einmal Halt und geniessen den Ausblick ├╝ber die viertgr├Â├čte Stadt der T├╝rkei und deren Bucht. Stra├čenh├Ąndler bieten Sesamkringel feil, die die Buben nat├╝rlich essen wollen. Ich erstehe zwei und werde, eingelullt von der bislang erlebten Freundlichkeit, vom "Fingerschmied"Ali ├╝bers Ohr gehauen - 8 000 000 TL ( ca 5 ┬Ç ). Das ├Ąrgert mich!

Am Flughafen trifft uns fast der Schlag: massenhaftes Aufkommen von Touristen! Mit unserem Flug klappt trotzdem alles hervorragend und p├╝nktlich steigen wir in den Alphajet, der uns heil und gesund nach M├╝nchen bringt. An die 1┬░C Au├čentemperatur und den Schneeregen m├╝ssen wir uns erst gew├Âhnen.

Ein herrlicher "Sommer"Urlaub bleibt uns allen in Erinnerung. Der Wind hat uns zwar oft im Stich gelassen, aber das war f├╝r uns Einsteiger auf der INSIDER genau richtig. Das Revier ist wundersch├Ân und eine Wiederholung sicherlich lohnenswert, wenn es nicht so schwierig w├Ąre in den Herbstferien Fl├╝ge dorthin zu bekommen!

 

Andrea

 

2004 Segelclub Deggendorf e.V.