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Die Liparischen Inseln - Karibik im Mittelmeer

Juni 2006





 

Der Winter ist lang und hart und so begannen wir schon im November von einer anderen Welt zu tr├Ąumen...

Wie traf es sich da gut, dass mein Schwiegervater zu seinem 70.Geburtstag ein pers├Ânliches Geschenk von uns erhalten sollte. Die Idee wurde bei einem Glas sizilianischem Rotwein in einer schneekalten Nacht geboren: eine Reise zu den Liparischen Inseln per Schiff nat├╝rlich, im Kreise der Familie inclusive Enkel.

 

Nach einer kurzen Bedenkzeit, in der der Abenteuergeist des Geologen geweckt war, stand der Entschluss fest: LIPARISCHE INSELN mit aktivem VULKANISMUS sind das Ziel unserer gemeinsamen Reise.

 

Wie kommt man an dieses Ende Europas, wenn man nicht, wie Ostern 2004 per Wohnmobil, sehr sehr sehr lange fahren m├Âchte: Zug oder Flug? Wir entschieden uns f├╝r eine Kombination aus beidem: Skipper, Gro├čvater und Jonas fahren bereits am Freitag ab M├╝nchen per Bahn ├╝ber den Brenner bis Padua, wo sie in den Nachtzug wechseln k├Ânnen und dann in einem "chambre separ├ęe" f├╝r drei bis Reggio di Calabria zockeln - Fahrtdauer knapp 21 Stunden, Preis f├╝r zwei Erwachsene und ein Kind um 300 Euro einfach. Co-Skipperin, Gro├čmutter und David folgen am Samstag Morgen per Hapag Lloyd ab MUC bis Catania, Flugzeit 110 Minuten mit Taxitransfer ( ca 120 min ) bis zur Marina von Reggio. Der Transfer erfolgt per Kleinbus des Charterunternehmens Spartivento und kostet Hin-und R├╝ckfahrt 90Euro. Zur├╝ck fliegen wir alle, wodurch wir f├╝rs Fliegen insgesamt 1400Euro berappen, was aber im Vergleich ein recht guter Preis war. Nach unseren letzten Erfahrungen mit Linienfl├╝gen und Umsteigen w├Ąhlte ich diesmal die Charter-Version, teurer wurde es m├Âglicherweise, weil wir wegen schlechter Abflugzeiten zwei verschiedene Fluggesellschaften nehmen mussten.

Also alles in allem recht Nerven aufreibend und kompliziert, aber wenn's am Ende funktioniert, soll's recht sein...

 

Die n├Âtige Fahrten"Software" erhalten wir von unserer Insider-Stammtisch-Freundin Claudia und k├Ânnen uns mit dem Riesenw├Ąlzer, der die gesamte italienische K├╝stenlinie abdeckt, Kartenmaterial und Hafenhandbuch optimal vorbereiten. Aus einem mit Farbe unterlegtem K├Ąstchen liest mir Matthias am Vortag der Abreise noch schnell ein paar kleine Anekdoten aus der Seglerhistorie des "├äolischen Dreiecks" vor, welches n├Ąmlich, wie das Bermuda Dreieck, schon so manches Schiff samt Besatzung einfach verschwinden lie├č. Es sei eine geheimnisvolle und sagenumwobene Region mit nicht ungef├Ąhrlichen Wetterkapriolen, welche schon etlichen Skippern in den vergangenen 3000 Jahren zum Verh├Ąngnis geworden sind. Prima!!!

 

Am Samstag, den 3.6. stehen wir nach einer kurzen Nacht in Erding um 0300 auf, damit wir fertig sind, wenn uns Eusebio um 0330 zum Flughafen bringt. Er ist p├╝nktlich und wir fix und fertig, das Gep├Ąck haben wir schon am Night-Check-In abfertigen lassen und auch unsere Bordkarten erhalten. Dennoch sollen wir 75min vor Abflug am Schalter stehen. Alles klappt plangem├Ą├č, auch der Flieger hebt um 0500 in Erding ab. Wir durchqueren die Wolkendecke vor M├╝nchen und sehen bis vor die sizilianische Nordk├╝ste kein Land, kein Meer nur dicke grau-schwarze Wolken unter uns. Beim Anflug auf Catania lichtet sich der Himmel, und wir genie├čen einen grandiosen Blick auf den ├ätna und eine aufgew├╝hlte See mit Schaumkronen. Sizilien begr├╝├čt uns morgens um 0700 mit lauen 18┬░C und herrlichem Sonnenschein. Auch der Taxifahrer von Spartivento erwartet uns und um 0730 verlassen wir mit allen Gep├Ąckst├╝cken den Flughafen Richtung Messina. Z├╝gig geht die Fahrt an der K├╝stenautobahn vorbei an Riposto und Taormina nach Messina zur F├Ąhre. Das kalabrische Ufer auf der anderen Seite der Stretta erscheint im morgendlichen Sonnenschein, der sich gerade eben in d├╝nnen Streifen durch die sich verziehenden Regenwolken zw├Ąngt.




Die ├ťberfahrt nach Villa San Giovanni ist regnerisch, bei der Ankunft in der Marina steht der Rest der Crew bereits an der Mole und beobachtet das Aufklarieren unserer OCEANIS 473 Clipper, genannt "ONE". Ein herrliches Schiff mit gr├╝nem Wasserspiegel, der sich in einem Goldstreifen vom wei├čen Rumpf absetzt.

Um die Mittagszeit bewegen sich Rita und Bernhard mit David und Jonas Richtung Altstadt, w├Ąhrend Matthias und ich vom Charterunternehmen zum Supermercato chauffiert werden zum Gro├čeinkauf. Wir arbeiten rasch unsere Liste ab und warten nach weniger als einer Stunde  im Regen (!) auf Abholung.

Der Wind ist wieder aufgefrischt, so dass wir beschlie├čen, doch nicht mehr auszulaufen, sondern einen gem├╝tlichen Eingew├Âhnungsabend an Bord zu verbringen.

Die ONE ist gro├č genug, jede Generation hat ihre eigene Toilette und die Vorschiff-Kabine begeistert Rita so, dass sie Abbitte leistet f├╝r ihre despektierlichen Bemerkungen, die Oceanis sei ein "Kahn".

Am Sonntagmorgen hat der Himmel endlich die Schleusen geschlossen und Sonnenschein, ein leichter Wind und stille See begeistern uns bei der Abfahrt unter Motor Richtung Stra├če von Messina. Wir halten uns nahe der kalabrischen K├╝ste m├Âglichst noch au├čerhalb des Verkehrtrennungsgebietes, denn die Gro├čschifffahrt ist ├Ąu├čerst pr├Ąsent, was im Bereich des F├Ąhrverkehrs nach Messina nochmals gesteigert wird. Bei Punta Pezzo sehen wir die Strudel der Scilla und halten uns gem├Ą├č den Empfehlungen Odysseus' "nahe des schwarzen Felsens,  der immer von einer dunklen Wolke eingeh├╝llt wird" und "treiben unser Schiff rasch durch die Enge". Hier hat sich auch prompt der Seegang ge├Ąndert und dunkle Wolken ziehen auf. Der Wind bl├Ąst so verf├╝hrerisch, dass Matthias Segel setzen l├Ąsst und wir auch schon davongetragen werden.  Das Vergn├╝gen dauert keine halbe Stunde und ein kr├Ąftiges Gewitter zieht auf, wir reffen und pr├╝geln im Am-Wind-Kurs an der Nordost-Spitze Siziliens gen Salina, unser bei diesen suspekten Wetterverh├Ąltnissen angestrebtes Ziel. Bald bauscht sich, wie angek├╝ndigt eine 2m-See auf, die f├╝r uns alle am ersten Tag recht unangenehm ist, zumal wir hart am Wind fahren m├╝ssen, um Salina zu erreichen.

Gegen Mittag ist Jonas der einzige an Bord, der Hunger versp├╝rt und Matthias erbarmt sich, geht unter Deck, macht Position und m├Âchte einen Thunfischsalat zubereiten, w├Ąhrend ich am Ruder Kurs halte und gleichzeitig die Am-Wind-Kn├╝ppelei f├╝r den Mann unter Deck m├Âglichst reibungsfrei zu gestalten versuche, was nicht bei jeder Welle gelingt. Prompt kommt Matthias etwas abgeblasst wieder an Deck mit einem sehr rudiment├Ąren Salat, den Jonas allein mit gro├čem Appetit verzehrt. Am Abend erst wird mir der Skipper erkl├Ąren, dass ich pfleglich mit ihm umzugehen habe, da er sich eine, wenn nicht zwei Rippen beim Flug gegen den Navitisch zugezogen habe. Jonas beklagt eine halbe Stunde nach seinem Mittagessen ├ťbelkeit und will sofort ein "Pflaster" hinters Ohr.

Rita, die neue Sailing-Queen, steht wie festgewachsen am Niedergang und geht mit den Wellen und dem Meer durch den Tag, fest den Blick auf neues Land gerichtet, w├Ąhrend Bernhard, der Leichtmatrose, es ganz und gar nicht leicht hat, da er sich gar oft erleichtern muss und f├╝r mindestens 10 Seereisen Neptun geopfert hat.



Ab 1600 k├Ânnen wir endlich wieder unter Vollzeug laufen.

Der Wind stellt sich gegen uns und wir laufen wie von einem Magneten gezogen direkt auf den Stromboli zu, den wir eine Stunde vor Sonnenuntergang erreichen. San Vincenzo liegt leeseitig, so dass wir tats├Ąchlich festmachen k├Ânnen an den Fischerbojen. Die Jungs setzen mich im Dingi ├╝ber und ich schnappe mir den ersten Fischer - vermutlich ein solcher, um um die Festmacher-Genehmigung zu bitten. Schnell werde ich weiter verwiesen an ein rotes Haus mit wei├čen S├Ąulen direkt am Anlegesteg der F├Ąhrschiffe. Dort ist alles "chiuso" und ich wende mich an das benachbarte Lokal. Zwei Italiener winken ab - "chiuso" -, nein, nein, ich wolle nur ├╝ber Nacht an der Muring liegen, radebreche ich mit Fingerzeig auf die ONE. Ach soo, alles klar, ob ich zuf├Ąllig Deutsch spr├Ąche. Jaaaa. Was f├╝r ein Gl├╝ck, freut sich der Italiener, worin ich v├Âllig mit ihm ├╝bereinstimme. ├ťber UKW-Handsprechfunk nimmt er Kontakt zu dem "Marina"-Betreiber auf, der uns an die gelben Muringbojen verweist, die seien frisch verlegt, es g├Ąbe 4 f├╝r Yachties. Mit dieser guten Kunde kehren wir zur├╝ck an Deck und belegen um.  Um 1945 liegen wir fest vor Muring am Stromboli nach einer 62sm Tagesetappe, die sich sehen lassen kann. Der Anlegeschluck ist verdient und schmeckt, w├Ąhrend der Stromboli uns mit Rauchwolken, durch die die untergehende Sonne ihre Strahlen schickt, und Donnergrollen begr├╝├čt. Als wir den Blick gen Osten richten, staunen wir ├╝ber einen blass rosa bis lilafarbenen Himmel und kleinen aneinander gereihten Ambossw├Âlkchen, was wir so nur in der Karibik gesehen hatten.

 






Nach dem Captain┬ĺs Dinner, das auch von diesem zubereitet worden war, werfen wir gegen 2200 noch einmal den Motor an und nehmen Kurs auf die Feuerrutsche, um das n├Ąchtliche Feuerwerk des Strombolis zu beobachten und sein Grollen dazu zu vernehmen. Den Strombolicchio lassen wir steuerbord liegen und navigieren vorsichtig am Nordost ┬ľ Kap der Insel vorbei, da hier immer wieder Fischernetze ausgelegt sind. Alles klappt hervorragend, zu nah sollte man sich allerdings nicht ans Ufer wagen, denn, so sehen wir am darauf folgenden Tag, dort gibt es eine Untiefe, die mit einem nicht beleuchteten Gefahrenzeichen markiert ist.

Das Spektakel ist einzigartig: riesige Lava Font├Ąnen schie├čen alle 15 Minuten in den Himmel und sinken langsam vergl├╝hend gen Sciara del Fuoco, auf der die Gr├Â├čeren Richtung Meer kullern. Das tiefe Grollen aus dem Erdinneren dringt uns bis in Magengrube und l├Ąsst uns vor Erfurcht still stehen.

Mit Taschenlampen suchen wir bei der R├╝ckkehr die gelbe Muringboje, fischen uns eine und sinken gl├╝cklich in die Kojen.

              


      

  
Am Pfingstmontag werden Rita, Bernhard und die Buben bei ihrem Landausflug vom vulkanischen Charme der Insel verzaubert. Die mediterrane Vegetation in hellen saftigen Gr├╝nt├Ânen mit den intensiven Farbtupfern der Bougainvillen kontrastieren wunderbar zum schwarzen Gestein, dem schwarzen Sandstrand und den im Gegensatz dazu strahlend wei├čen H├Ąusern, die von schmiedeisernen Z├Ąunen und Gartentoren vor zudringlichen Besuchern gesch├╝tzt werden. Seit gut einem Jahr ist der Stromboli nur noch mit F├╝hrer begehbar, wobei man auch mit diesem nicht bis oberhalb des Kraterrandes gelangen darf und tags├╝ber der Eindruck nicht sooo toll ist. Aus diesem Grund verzichten Matthias und ich auf den Landgang, denn wir waren schon per pedes auf dem Feuer spuckenden Berg und haben eine hei├če Nacht dort verbracht.

Um 1200 setzen wir unsere Fahrt fort, vorbei an der Feuerrutsche Richtung Salina. Der Wind beschert uns angenehmes Segeln bei halbem Wind mit 5-6kn. Nach zwei Stunden liegt Panarea backbord querab und zieht mich magisch an: zwei markante gegen├╝berliegende dunkle Felseninseln, mit zum teil bizarren Zacken, dazwischen kreuzende Segelschiffe und an Land wei├če Tupfer auf schwarzem Felsen. Unser Weg f├╝hrt leider nicht dorthin! Die Gegend ist gef├Ąhrlich und hochexplosiv, hei├če Gase und D├Ąmpfe entweichen unterseeisch dem vulkanischen Gestein und Meeresgeologen nehmen t├Ąglich Proben, um bei ver├Ąnderter Zusammensetzung, die eine bevorstehende Eruption anzeigt, rasch Alarm zu schlagen.



Am Sp├Ątnachmittag gelangen wir zur Marina von Salina, ein gesch├╝tzter Hafen mit hoher Kaimauer nach Osten, die aus gro├čen dunklen Lava Felsquadern gebaut worden war. Ein b├Ąrtiger Sarazene im Piraten Look ist der Hafenmeister oder Marinero-Macho. Angelegt wird mit Muring an der Hafenmauer und es ist ziemlich voll. Kein Wunder, denn hier ist die einzige Marina, die wir auf dem T├Ârn finden, die mit allem (Toiletten, Duschen, Frischwasser, Strom ) ausgestattet ist. Demzufolge erwarten wir einen saftigen Preis, werden aber mit 35┬Ç positiv ├╝berrascht.

Das Abendessen nehmen wir im PORTO BELLO ein, einem terrassierten Restaurant oberhalb des Hafens mit freiem Blick zum Stromboli und Panarea. Wieder verzaubert uns das Licht und der Himmel, der seine ganze Farbpalette zwischen blau, rosa und violett pr├Ąsentiert untermalt mit Kumulus W├Âlkchen in der Ferne.

Matthias genie├čt als besondere Delikatesse der Region ein Thunfisch Carpaccio mit Kapern, die jedes Gericht zum Erlebnis machen. Salina ist schlie├člich neben Filicudi, das nicht bewohnt ist, die Kapern-Insel, die Gr├╝ne mit den zwei Gipfeln, die immer ein Wolkenh├Ąubchen tragen.



Am 6.6. nehmen wir das Fr├╝hst├╝ck an Deck ein, das Wetter ist fr├╝hsommerlich warm mit morgendlichen 24┬░C und einer sanften Brise aus S├╝dost. Das Weltumseglerschiff aus Australien, das am Vorabend gegen 2200 angelegt hatte, ist schon verschwunden und hat wohl nur Strom und Wasser gebunkert. Schade, denn ich hatte fest vor, meine Scheu zu ├╝berwinden und ein bisschen zu quatschen.

Um 1000 geht der Motor an und wir nehmen Kurs auf Lipari, bei dem sehr schwachen Wind versuchen wir uns kurz unter Segel, kommen aber kaum vom Fleck. Das Mittagessen wird noch an Bord eingenommen, ehe wir Rita, Bernhard, David und Jonas mit einem L├Ąngsseits-Anlege-Man├Âver in Canella von Bord lassen. Sie wollen Lipari wandernd erkunden und die aufgelassenen Bimsstein-Halden besuchen und vielleicht auch ein paar Obsidiane abstauben. Das Meer in der N├Ąhe der Halden leuchtet in einem atemberaubend sch├Ânen T├╝rkis, das ich vor lauter Staunen nicht bildlich festgehalten habe, Schade!

Matthias und ich nehmen wieder Fahrt auf, diesmal unter Segel und fahren etwas weiter hinaus, weil wir das Hamburger Man├Âver ├╝ben wollen. Die Boje wird von einer halb mit Wasser gef├╝llten Cola Flasche gespielt, die in einen Plastikbeutel gepackt wurde. Nach einigen Anl├Ąufen gelingt es ganz gut, aber der schwache Wind l├Ąsst die Boje oft am Boot vorbei treiben, denn sie treibt schneller, als wir.

Auf dem Weg zur Marina von Pugnataro besuchen wir noch Lipari-Stadt und umrunden die  f├╝nfmastige Royal Clipper aus Luxemburg, deren G├Ąste ununterbrochen bekocht werden, daf├╝r aber gefahren werden, w├Ąhrend wir selber segeln!

Um 1610 legen wir an der Muring in der Marina an, machen uns rasch zu Fu├č (20min, es gibt aber auch einen Bus)auf den Weg ins laute und sehr quirlige Lipari-Stadt, um f├╝r neue Bordproviant und Anlegeschlucke zu sorgen, w├Ąhrend unsere restliche Crew auf sich warten l├Ąsst. Sie haben sich im Steinbruch vergraben, daf├╝r aber reiche Beute gemacht.

Die Marina liegt ruhig und hat sch├Âne Schwimmstege mit guter Stromversorgung, aber keine sanit├Ąren Anlagen (40┬Ç). Da es in Italien auch keine F├Ąkalientanks gibt, kann sich jeder den Rest ausmalen. Dies war auch der Grund, warum Jonas, dessen Lieblingstaschenmesser am Abend aus unerfindlichen Gr├╝nden aus der Hosentasche geh├╝pft ist, nicht ins Hafenbecken hechten darf, um es wieder hoch zutauchen.



Nach der morgendlichen Routine legen wir am Mittwoch um 1115 gegen einen unangenehmen Wind im engen Marina-Becken unter Mithilfe des Marinero-Bootes ab, die aber nur ihre Taucher im Hafenbecken vor uns sch├╝tzen wollen. Bernhard hat sich gew├╝nscht, Vulcano zu umrunden. Der Tag ist dazu wie geschaffen, wir haben 4-5kn Wind aus WSW und keinen Seegang, wodurch die ONE wunderbar durchs Meer schneidet. In einer kleinen Bucht nahe der S├╝dspitze von Vulcano machen wir Mittagsrast und liegen vor Anker zum Baden. Das Wasser ist mit 18┬░C noch relativ k├╝hl, was aber die Jungmatrosen nicht hindert am Schnorcheln und Plantschen. Direkt an der S├╝dspitze, die wir 1330 passieren steht ein sch├Âner Leuchtturm aus Naturstein in einsamer gr├╝ner Landschaft.

 

Auf der Westseite wird das Ufer karg und im Bereich der Passage zwischen Lipari und Vulcano bezaubern uns alte Basaltkegel, die wie Pilze aus dem Meer ragen.

  

Im S├╝den sehen wir die Nordk├╝ste Siziliens und im Dunst verschwindend im Westen Alicudi und Filicudi. Um 1610 legen wir an den Schwimmstegen von Porto Levante an, auch hier keine sanit├Ąre Infrastruktur, allerdings ist ein Pavillon im Bau befindlich. Die Kosten betragen 30┬Ç pro Nacht. Wir m├╝ssen uns sehr straff festmachen ( an Murings ), da die unweit anlegenden Tragfl├Ąchenboote und F├Ąhren gewaltigen Schwell verursachen. Es gibt allerdings auch noch Anlegem├Âglichkeit auf der anderen Seite der Stege, wo┬ĺs deutlich ruhiger ist. Die gegen├╝berliegende Bucht nahe der Fumarolen mit Schwefelschlamm ist schon mit etlichen Yachties best├╝ckt, wir k├Ânnen dort allerdings aufgrund des enormen Schwefelgestankes nicht liegen. Binnen weniger Minuten bekomme ich Kopfschmerzen und jedem vergeht der Appetit.

Auf der Westseite von Vulcano gibt es eine weitere Ankerbucht, Porto Ponente, die laut F├╝hrer eine der sichersten im Bereich ├äolische Inseln/Sizilien sein soll. Hierin segeln wir am darauf folgenden Tag zum Baden, w├Ąhrend die Gro├čeltern den Vulcanello erklimmen.

Das Ambiente ist ausgesprochen sch├Ân: Palmen, in allen Farben leuchtende Felsen, tropische Pflanzen und ein unglaublich sch├Ânes Licht. Beim Blick zum Krater immer Rauchschwaden, die vom sanften Wind verblasen werden. Wir machen eine Dorfrunde ehe wir uns f├╝r ein Restaurant in der 3. Reihe entscheiden, wo wir im Hinterhof unter Weinlaub und umringt von Hortensien sitzen. Nach einem reichlichen Frutti- di Mare Men├╝ m├╝ssen wir uns noch eine Cassata Siciliana g├Ânnen: ein wirklich einzigartiges Dolce!

Den restlichen Abend genie├čen wir bei Wein und Musik im Cockpit unter dem Vulcano, der vom Vollmond beleuchtet wird.

 

Am Donnerstag Morgen, es wird ein Hafentag, ist mir nicht so, wie einem sein sollte und beschlie├če, nicht mit auf den Vulkan zu steigen, w├Ąhrend alle anderen gegen 1000 zur Umrundung des Kraters aufbrechen. Es ist eine beeindruckende Wanderung!

Vom Hafen aus f├╝hrt der gut gekennzeichnete Weg am Rande Dorfes zum Anstieg, der stetig bergan durch vulkanisches Gestein und sp├Ąrliche mediterrane Vegetation f├╝hrt. Auf halber H├Âhe geht das Gestein ├╝ber in r├Âtlich sp├Ąter graue Vulkanasche, die oben am Kraterrand immer wieder von kleinen und gr├Â├čeren Fumarolen abgel├Âst wird, aus denen ein wahrlich diabolischer Atem steigt und allen Bergsteigern, die ohnehin schon etwas au├čer Puste sind, die Luft rauben. Die Wanderung rund um den Krater bietet spektakul├Ąre und unbedingt sehenswerte Ausblicke ├╝ber die Liparische Inselwelt. Auch hier oben sollte man allerdings unbedingt den Wind im Auge behalten, denn nur wenn dieser gut steht, ist die Passage einiger Schwefeldampfareale gefahrlos m├Âglich. Ansonsten haben wir den Eindruck, kann tats├Ąchlich ein Erstickungstod drohen. Jetzt jedenfalls ist klar, warum am Rande des Kraters beim Aufstieg ein Hubschrauberlandeplatz eingerichtet worden war.

 

 

Immer wieder versuchen die Buben Schwefelkristalle zu bergen und Bernhard hilft ihnen dabei, allerdings nicht ohne sich die Finger zu verbrennen. Der Dampf aus der Erdkruste ist heiii├č├č├č!

Die Steine sind neongelb und der Boden unter den Wanderschuhen auch warm, man hat Angst, dass die Sohlen zu schmelzen beginnen.

 

  

 



Da ich selber nicht dabei war, kann ich hier nur aus den Erz├Ąhlungen der anderen berichten, aber die Bilder zeigen, dass es auf alle F├Ąlle sehr schade war, dass ich nicht oben gewesen bin.

Das wiederum hatte aber den Vorteil, dass ich an Bord der ONE war, als bei einem v├Âllig missgl├╝cktem Anlegeman├Âver einer italienischen Crew, deren Bug incl. Ankergeschirr entlang unserer Bordwand schrammte und unter der Reling eine kleine Verletzung setzte. Ich war gerade unter Deck und bereitete einen Salat f├╝rs Mittagessen vor, als ich durch die Pantry Bullaugen den Bug und den Anker auf mich zusausen sah. Noch bevor ich an Deck gest├╝rmt war, hat┬ĺs auch schon geknirscht. Nachdem ich den Schaden begutachtet und f├╝r nicht gravierend eingesch├Ątzt hatte, entschloss ich mich dennoch die biestige Schiffswachtel zu mimen, ging unter Deck, holte das Logbuch und notierte alle Daten des Fremdschiffes und den Unfallhergang. Tats├Ąchlich brauchte ich auch nicht lange zu warten, und der Skipper erschien mit Co-Skipper (zwei Br├╝der aus Mailand, einer davon wohl Rechtsanwalt). Sie fotografierten den Schaden, wir tauschten unsere Adressen aus und ich versprach, mich zu melden, falls bei der ├ťbergabe der ONE mit der Kaution Probleme auftreten sollten. Dies war dann nicht der Fall: zum einen war der Kratzer unter der Reling wirklich minimal, und die Schramme an der Bordwand war nach putzen und Zahnpasta-Therapie nicht mehr auszumachen.

Matthias besprach sich ebenfalls noch kurz mit den Herren und dann war die Sache erledigt.

 

Zu Mittag gibt es einen Tomaten Mozzarella Salat mit Salina-Kapern, dazu frisches Wei├čbrot. Es schmeckt herrlich! Schon allein die Kapern hier auf den Inseln sind die Reise wert.

Am Nachmittag fahren wir ( Matthias, David, Jonas und ich ) in eine Bucht auf der anderen Seite von Vulcano, w├Ąhrend Rita und Bernhard den Vulcanello, einen kleinen Nebenkrater, erwandern.

Der dorthin führende Wanderweg ist mangels Interessenten, die meisten Touris sitzen ja im stinkenden Schlammbad, von Macchia überwuchert, so dass dieser Ausflug für die beiden eine kleine „Dschungel“-Tour wird.

Wir dagegen genie├čen noch einmal die ONE unter Segel und baden im Meer, die Buben fahren Dingi und erkunden das nahe gelegene Ufer.

 

 


Am Abend treffen wir uns zum Abgesang dieser Woche an Bord der ONE bei „Brot“ und Wein und heulen den Vollmond an.




 

Unser R├╝ckreisetag beginnt um 0800 beim Fr├╝hst├╝ck, abgelegt wird um 0900, der Wind kommt mit 3-4Bft aus Westen, also IDEAL f├╝r unseren Kurs 100┬░.

 

 


Aber schon um 1200 ist der Traum zu Ende und der Wind macht einen ausgiebigen Mittagsschlaf.

So wird eben motort, zwischendurch legen auch einen Bade “stopp“ vor der Küste Siziliens ein. Hier ist das Meer sauber, tiefblau und warm.




Die Passage der Stra├če von Messina ist wieder aufregend, nicht wegen des Windes oder eines Gewitters, sondern weil wir die Strudel tats├Ąchlich sehen. Das Meer ist ├╝ber ca 50m messende Kreisel unruhig und schaumig. Freilich merken wir am Ruder unter Motor keine Ver├Ąnderung, aber ├╝ber Bord sollte keiner gehen und auch in einem kleinen Fischerboot m├Âchte ich nicht sitzen.

 

 


Bei der Anfahrt auf Reggio kommt zum Abschied noch einmal sch├Âner Wind auf, so dass wir bis zur Hafeneinfahrt segeln k├Ânnen.



Nach Tankstopp und Anlegen an der Muring werden wir von Spartivento begr├╝├čt.
Bei Spaghetti Eoliana à la Andrea schmecken wir noch einmal die Liparischen Düfte.

Am Samstagmorgen werden wir p├╝nktlich vom Spartivento Bus nach Catania zum Flugplatz gebracht. Auch heute verh├╝llt sich der ├ätna wieder, daf├╝r k├Ânnen wir die Inseln vom Flugzeug aus

im Dunst liegen sehen.

 


Der Stromboli liegt leider auf der anderen Seite der Maschine.

 

180sm liegen im Kielwasser und eine harmonische, problemlose und gelungene Woche in einem wundersch├Ânen Revier von ganz au├čergew├Âhnlicher magischer Ausstrahlung bleibt uns in Erinnerung.

Zu unserer Reisezeit waren es, mit Ausnahme der Marina in Salina, einsame Segeltage. Die Marinas ( Vulcano ) sind teilweise im Aufbau, meist jedoch ist alles sehr einfach. Der Mangel an sanit├Ąren Anlagen bei fehlenden F├Ąkalientanks ist beklagenswert, da auch sonst die Gro├čschifffahrt in diesem Gebiet nicht gerade zimperlich mit seinen Abf├Ąllen umgeht. Eine Woche ist definitiv zu kurz, um Meer und Inseln wirklich genie├čen zu k├Ânnen.

Wir sind uns einig: Die ├äolischen Inseln sind ein wahr gewordener Segel ┬ľ und Urlaubstraum!

 

Andrea






 

 

2004 Segelclub Deggendorf e.V.