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F├ťR MICH  -   Segeln 2005               

 

An Bord eines Schiffes werden manche Menschen seekrank, andere "verr├╝ckt" und einige gl├╝cklich.

Was passiert, wenn einem alles zust├Â├čt? "Verr├╝ckt" m├Âchte man bleiben, weil man die Welt aus einer anderen Perspektive heraus zu sehen gelernt hat; gl├╝cklich will man immer sein und hat daher ein Hauptziel: wieder auf den Planken eines Schiffes stehen. Seekrankheit ist kein erstrebenswerter Zustand, aber ich nehme ihn im Extremfall in Kauf, damit ich gl├╝cklich verr├╝ckt sein kann.

Magisch angezogen von den Brettern, die mir eine neue Welt bedeuten, nahm ich im Fr├╝hsommer 2004 am Funkkurs teil. Durch die Kurzweiligkeit der ├ťbungen mit unserem Meister sowie der netten Gespr├Ąche mit Gleichgesinnten war der Kurs das reinste Vergn├╝gen - abgesehen von ├Ątzend langweiligen Gesetzestexten, die zur Beantwortung etlicher Fragen auswendig gelernt werden sollten.

Entsetzen machte sich breit und Entzugserscheinungen als im Juli der Kurs mit bestandener Pr├╝fung zu Ende war.


Im Herbst, kurz vor Einwinterung der Boote, wollte ich den SBF-See Schein nach Hause fahren. Mangels Kursangebot im Eigenstudium der Theorie und in der Praxis mit ein paar Sch├╝lern aus dem befreundeten Ausland. Zwei Wochen hatte ich Zeit f├╝r Theorie und Praxis, dann war Ende mit Motorbootfahren, denn der Winter stellte sich ein.

 

EEEndlich im Januar begann der SKS-Kurs und wir legten uns zu sechst (Gerhard, Martin, Norbert, Ulli, Werner und ich) ins Zeug, unterst├╝tzt durch unendlich geduldige Lehrmeister. Der Termin zum Ausbildungst├Ârn war nach einigen Diskussionen gefunden - Pfingsten 2005 nach Portoroz f├╝r eine Woche, statt zwei. Unserem Skipper Max machte das schon in weiser Voraussicht Bauchschmerzen, aber die kurierte er bei einem ausgedehnten Wellnessaufenthalt.

Ich lernte wie besessen und navigierte durch Ost- und Nordsee und je n├Ąher die Pr├╝fung kam umso sicherer wahr ich, da├č ein positives Ende gar nicht so sicher ist. Aber es hat - entgegen der Statistik: Irgendwann f├Ąllt jeder durch eine Pr├╝fung - funktioniert.

 

Befreit von vielen Lasten planten wir den T├Ârn. Max wollte nicht nur Ausbilder sondern auch Pr├╝fer sein, so da├č wir bef├╝rchteten ohne Skipper die Pr├╝fung ablegen zu m├╝ssen. Verzweifelt versuchte ich mit allen Mitteln ( z.B. Bratkartoffeln mit Spiegelei ) den Co-Skipper des vergangenen Jahres mit ins Boot zu holen, aber ... es war nichts zu machen!

Eines Sonntags bei den Besprechungen wurde mir mitgeteilt, da├č ich nun der Co-Skipper sei, da ich der einzige Mitsegler mit "Erfahrung" sei - ha. Da rutscht schon ein Herz schnell 'mal in die Hose!

Bald stellte ich jedoch  fest, da├č Co-Skippern auch Vorteile hat: keine Einkauferei, keine Bordkasse.  Alles meine Jobs im letzten Jahr, aber damals hatte ich auch nichts anderes zu tun. Das Erstellen der Einkaufsliste lie├č ich mir allerdings nicht nehmen, dazu liebe ich Essen viel zu sehr, um auf lebenswichtige Nahrungsmittel verzichten zu k├Ânnen. Nicht zu vergessen die Anlegeschluck - Varianten, die bitte ALLE an Bord sein m├╝ssen! Wie sich zeigte mu├čten wir in Bezug auf feste und fl├╝ssige Nahrung auf dem Schiff keinerlei Mangel leiden, denn Werner ist auch ein kleiner Gourmet, der nicht nur genie├čen, sondern auch zubereiten kann!

 

Ankunft

 

Am Samstag den 21.5. trafen wir uns alle in Portoroz am Hafen. Ich wurde von meiner Familie "eingeflogen", nachdem wir eine aufregende und fantastische  Segelwoche in den Kornaten verbracht hatten. Max, Gerhard und Werner waren zu fr├╝her Morgenstund von Deggendorf aufgebrochen und Martin wollte sich am Sonntag Morgen mit frischen Semmeln zu uns gesellen.

Beim Abschied von Mann und Kindern war mir dann etwas mulmig, aber die fr├Âhlichen Gesichter der Mitreisenden lie├čen schnell s├Ąmtliche Bedenken vergessen.

Als ich das Schiff betrat f├╝hlte ich mich sofort wieder zuhause - es war wieder die geliebte AURORA.

Die Kojenfrage war schon vor meiner Ankunft demokratisch gel├Âst worden: Max die Skipperkaj├╝te - eh klar, Gerhard daneben, backbord achtern, Werner und Martin im Vorschiff und ich durfte mich im Chambre separ├ęe mit Stockbett, steuerbord mittschiffs, ausbreiten. Viel Platz, wenig Luft, aber f├╝r eine reicht's.

Wie wir bereits zuhause besprochen hatten, sollte nicht viel gekocht, aber umso mehr ge├╝bt werden. Getreu dieser Devise wurden im Marina-Restaurant von der flinken, manchmal etwas m├╝rrischen Ljubica k├Âstliche mediterrane Speisen f├╝r uns aufgetragen.

Die erste Nacht schlafe ich schlecht - es ist fast Vollmond.

 

1.Lektion

 

Am Sonntag rei├čt uns um 7Uhr Max fantastischer Wecker aus den Tr├Ąumen, wobei der Meister selbst und Gerhard schon beim Joggen waren - aha. Mein Job heute: Tagesskipper, was ausfahren aus der Box bedeutet. Diese Gassen sind nun'mal s..eng und mein erstes Man├Âver gestaltet sich suboptimal - diese Boxen, Gassen.., sind eine Horrorvision f├╝r mich. Drau├čen auf dem Meer f├╝hle ich mich viiiel wohler und die Man├Âver unter Motor werden intensiv ge├╝bt: Aufstoppen, kleine Kreise und Drehen, Boje ├╝ber Bord (B├╝B), R├╝ckw├Ąrtsfahren und Kurshalten. Brotzeit gibt's an Bord, Chef de Cuisine ist heute Martin, der von seinem Decksneger Werner kr├Ąftig unterst├╝tzt wird. Nachdem auch etwas Wind aufkommt werden um 1330 Segel gesetzt, und ich darf als Tagesskipper "ran an den Speeck" respektive das Ruder. Da ist es wieder das einzigartige Gef├╝hl, die Leichtigkeit, die Macht der Elemente, und ich bin ein Teil davon. Wir fahren die Windkurse und schon bald die erste Wende. Nachdem das bei allen halbwegs sitzt, geht's auch schon in die Q-Wende - jetzt wei├č ich auch warum die so hei├čt!! 

AmWind-Kurs - B├╝B - das ber├╝hmte Spr├╝cherl, das vielen so schwer ├╝ber die Lippen kommt - neuer Kurs Raumer Wind - Ablaufen - Klar zur Q-Halse, ├äh Q-Wende - neuer Kurs Halber Wind - ja, wenn'st as sogst, dann fahr a halber Wind!! - G-Punkt - Beinah-Aufschie├čer (Max: "Spitze Marke!!!") - Boje aufnehmen.

Wie ├╝blich schl├Ąft der Wind um 1600 ein, dann geht's eben mit Hafenman├Âvern weiter.

Ich bin als erste dran, ein Angstgegner stellt sich vor: ab Einbiegung Boxengasse macht die AURORA was sie will und zeigt alle Anzeichen extremer Stutenbissigkeit. Das wird mir klar, wenn ich sehe wie die Dame unter Gerhards H├Ąnden zahm und gef├╝gig wird und in einer herrlich anzusehenden Art auf der Schiene sanft in die Box gleitet. Irgendwie landet die Kiste auch mit mir am Ruder in der Box und der Anlegeschluck schmeckt - Istrabenz mit O-Saft, der Andrea geht's gut!

In bester Laune beschlie├čt die Crew, da├č ihre Skipperin heute das "kleine Schwarze" anlegt. Ich verschlie├če mich den W├╝nschen meiner Mannschaft nicht, allerdings ist es ein langes Schwarzes.

 

Magisches Ziel

 

Als wir am n├Ąchsten Morgen die Augen aufschlagen, leuchtet keine strahlende Sonne durch die Luken, es sieht nach Regen aus. Das hindert uns nicht an einem ausgedehntem Trainingsprogramm, wobei immer mehr ein Zauberwort die Runde macht. Gerhard fl├╝stert es anfangs, dann immer lauter und deutlicher: GRADO! Um unseren Skipper milde zu stimmen, h├Ąngen wir uns kr├Ąftig in die Schoten und der jeweilige Ruderg├Ąnger br├╝llt seine Komandos in den dunstigen Himmel und seinen Mitstreitern auch 'mal ins Ohr, wenn die Reaktionszeit zu lange scheint. Vor der Mittagspause wird noch gehalst und dann... schl├Ąft der Wind ein. Als Entsch├Ądigung regnet es etwas. Wir  motoren nach Izola und ├╝ben An- und Ablegen in allen Variationen, die K├Ânigsdisziplin Anlegen an der Muring im engen Stadthafen gelingt unserem Tagesskipper perfekt. Es ist fr├╝h am Abend und Gerhard stellt sich als n├Ąchtlicher Ruderg├Ąnger zur Verf├╝gung, er ist schlie├člich Tagesskipper, falls Max endlich einwilligt in eine abendliche Fahrt nach - Zauberwort - GRADO. Nachts will der t├╝chtige Jungskipper uns zur├╝ckbringen, damit der Meister keine Lehrstunde missen mu├č. Es ist nichts zu machen, der Chef bleibt hart! Wir k├Ânnen uns auf einen Kompromiss einigen: Warten bis es dunkel wird und dann Nachtfahrt nach Portoroz zur├╝ck. Da keiner Hunger hat, gibt's in der Hafeneisdiele einen dicken Eisbecher, der h├Ąlt uns fit. F├╝r alle F├Ąlle kaufe ich, heute Decksneger, ausreichend Nudeln, Pesto und Parmesan, falls doch die eine oder der andere zu sp├Ąter Stunde einen leeren Magen haben sollte.

Der Anlegeschluck wird gestundet und als die Sonne untergeht, machen wir uns mit dem Radarschirm etwas vertraut. Max "spielt " an den diversen Kn├Âpfen und mit etwas Fantasie sind die Hafenmauer und die Hafenausfahrt auszumachen. Gegen 2200 laufen wir aus, es hat aufgeklart und ein oranger Vollmond leuchtet ├╝ber die Bergkuppe hinter Izola.

Kaum auf See ruft Gerhard laut : " GRAAAA-DOOO" Keiner scheint ihn zu h├Âren, denn alle tr├Ąumen... Die Nacht ist sternenklar, der Mond malt einen silbernen Streifen aufs Meer, auf dem wir lautlos unter Segel bei einem herrlichen halben Wind St├Ąrke 3-4Bft dahingleiten. Alle Regeln der Schwerkraft scheinen aufgehoben und die paradiesische Musik von Enya "Aquaria" und Norah Jones tragen uns davon. Jeder hat sich an Deck ein Pl├Ątzchen gesucht und genie├čt diese einmalige Nacht.

Gerhard macht sein Versprechen wahr und bringt uns um 2400 sicher in den Hafen von Portoroz und in unsere Box. Schnell schmei├če ich den Herd an und bereite ein Mitternachtsmahl mit Linguine, Pesto und Parmesan zu. Um 0130 liegen alle satt und gl├╝cklich, auch ohne Grado, in den Kojen und schaukeln im Schlaf weiter ├╝bers Meer, soweit uns die Tr├Ąume tragen.

 

Durchh├Ąnger


Tag Drei auf der SKS-├ťbungsskala bringt nichts Gutes: Vielleicht sind wir m├╝de oder ├╝bermotiviert oder,oder... Jedenfalls klappt's heute nicht so recht und die Kommandos wollen einfach nicht ├╝ber die Lippen. Die Boje entwischt h├Ąufig oder springt im letzten Moment vom Haken des F├Ąngers. Martin hat nun 'mal nicht soooo lange Arme. Dabei brennt die Sonne vom Himmel, da├č es uns den letzten Rest Konzentration versengt. Da wei├č Werner Abhilfe: nur das k├╝hle Na├č k├Ânne ihn und uns vor weiteren Sch├Ąden bewahren. Sein Zauberwort SCHWIMMEN findet wie andere magische Mantras kein Geh├Âr und so k├╝hlt man die Gem├╝ter mit K├╝hlschrank-kaltem Wasser. Ich, Smutje, schenke kein Bier mehr aus zur Brotzeit - Alkoholverbot f├╝r alle Eleven bis Sonnenuntergang! Trotzdem versucht sich Martin immer wieder mit einer "Q-Halse". Sonnenbr├Ąnde im Nackenbereich erschweren Werner und Gerhard das Leben, so da├č f├╝r Werner Kopftuchpflicht ausgegeben wird und Gerhard, er hat sein Sonnencappy verloren/verlegt, den S├╝dwester aufsetzt.

Alle Ma├čnahmen f├╝hren an diesem Tag zu keiner positiven Wendung.
Max verteilt abends Hausaufgaben: Spr├╝cherl lernen, Boot fahren auf dem Pantry-Tisch u.s.w. Jeder versucht seine Gedanken auf seine Weise zu ordnen, Frust und Nervosit├Ąt abzubauen. Morgen ist auch noch ein Tag!

 

Mitte der Woche

 

Es ist Mittwoch und "Heute werden neue Saiten aufgezogen"

Alles neu, beginnt mit Hafenman├Âvern, die nun auch mir gelingen. Die Konzentration unserer Crew hat sich exorbitant gesteigert und jeder gibt sein bestes, was mit Erfolg belohnt wird. Der Schwierigkeitsgrad ist auch erh├Âht, da heute eine kleine Bora bl├Ąst und uns beim "Einparken" ins Schwitzen kommen l├Ą├čt. Nach einem Tankstop werden Segel gesetzt und bei gutem Wind laufen die Wenden, Halsen und B├╝B-Man├Âver flott und auch ordentlich. Mittags gibt's eine leckere t├╝rkische Spezialit├Ąt vom Smutje Martin unterst├╝tzt vom Tagesskipper Werner und Decksneger Gerhard. Der Wind und das kr├Ąftige Schoten lassen Martin zur Einsicht kommen - er braucht jetzt Segelhandschuhe und Werner m├Âchte sich f├╝r die Pr├╝fung mit einer neuen Hose in Schale werfen. So kommt's, da├č wir vor der geplanten Hafennacht in Piran noch einen Zwischenstop in der Marina Portoroz einlegen. Mir kommt das sehr gelegen, denn ich bef├╝rchte Hygieneengp├Ąsse in einer Hafenmarina. So begebe ich mich zu einem Kurzwellnes-Programm in die Dusche, w├Ąhrend die Herren shoppen! W├Ąhrend meine Aktivit├Ąten von Erfolg gekr├Ânt sind, ist Werner gar nicht gl├╝cklich, er kommt ohne Hose wieder und Martin hat f├╝r eine Unsumme passable Handschuhe erstanden. Gegen 1900  laufen wir aus und bei untergehender Sonne erreichen wir unter Motor Piran.

Schade, da├č die AURORA auch bei Vollgas nicht in die Gleitphase kommt! Werner ist halt von Geburt her eher der Motorbootfahrer.

Im alten Hafen ergattern wir ein Pl├Ątzchen. Beim Anlegeschluck rei├čt Max eine Italienerin auf, die uns alle fotografiert, was allerdings eine mittelgradige Staatsaktion wird, denn sie bedenkt alle Eventualit├Ąten.

Frisch gekleidet, duftend - eben landfein - marschieren wir am Pier entlang zum Leuchtturm. Diese Abendstimmungen am Hafen mit Blick aufs Meer mit der Aussicht auf eine mediterrane Spezilit├Ąt in Max's Lieblings-restaurant "Delfin" macht uns zufrieden und gl├╝cklich.
 
Ruhe kehrt ein in die Gem├╝ter und Zuversicht ob der Dinge, die uns ├╝bermorgen erwarten. Der Abend klingt nach einem Cappuccino am Pier und einem Betthupferl-Schluck an Bord aus.

Trotz pharmakologischer Nachhilfe und Ohrenst├Âpsel schlafe ich beim lautstarken Hafenbetrieb sehr schlecht.

 

Die letzte Chance

 

Noch einmal f├Ąllt das Los des Tagesskippers auf mich. Vorher mu├č ich aber noch Mitbringsel f├╝r meine Jungs besorgen. Ablegen von der Muring klappt schon 'mal gut, schlie├člich habe ich das schon des ├Âfteren ge├╝bt. Dann beginnt das Abschlu├čtraining:

Nach der schlechten Nacht bin ich trotz aller guten Absichten explosiv und mu├č von meinem Navigator Gerhard zur Ruhe gemahnt werden. Nach dem Mittagessen und dem Man├Âver Beidrehen-zum-Beiliegen geht's rasant von einer Q-Wende in die n├Ąchste und Martin ist begeistert ├╝ber den "hakke Wind" in dieser "coolen location". Aus lauter Begeisterung f├Ąhrt er die Halse auch mit "achtern vorn" statt mit "rund achtern" und die Fock geht nicht "vorn ├╝ber", sondern es kommt zum "├ťberfall". Werner l├Ą├čt sich gerne mitnehmen in die Begeisterungsst├╝rme und f├Ąhrt ganz konsequent eine Q-Halse, bei der man "zweimal fieren mu├č", nach der anderen. Unserem Meister droht ein Zusammenbruch, doch er bleibt ruhig und empfiehlt jedem vorm Man├Âver einige Besinnungssekunden mit abschlie├čendem Urschrei. Auch eine Methode.

Am Sp├Ątnachmittag verliere ich dann zu guter Letzt den Enter- ├Ąh Bootshaken und will mich in einem Anfall von Panik in die Fluten st├╝rzen. M├Ąnner halten mich zur├╝ck und Werner ruft, wohlwissend, da├č das seine letzte Chance ist: " La├čt mich halt springen!" und steht auch schon in Badebekleidung auf der Plattform. Ende vom Lied: keiner geht zu Wasser, der Haken wird geortet und unter Einsatz der l├Ąngsten Arme an Bord gehieft.

Nach zwei B├╝B unter Motor von jedem geht's in den Hafen zum "Einparken". Da mir dies auf der ber├╝hmten Schiene gelingt, schlie├če ich meine pers├Ânliche Pr├╝fungsvorbereitung ab.

Nach dem Anlegeschluck telefoniert jeder mit zuhause und l├Ą├čt sich von Ferne aufbauen, sofern der Gespr├Ąchspartner dazu in der Lage ist. Bei einer abendlichen Brotzeit besprechen wir die theoretischen Pr├╝fungsfragen und wiederholen alles Wissenwerte zur Bordausr├╝stung.

Zwischendurch m├╝ssen die M├Ąnner lange auf den Duschschl├╝ssel warten, denn Martin ist alleine losgezogen und kommt nicht mehr zur├╝ck - wir machen uns Sorgen, weil schlie├člich jeder ein Bed├╝rfnis nach Sauberkeit hat. Irgendwie schafft es Werner ohne Keycard in die Nasszellen. W├Ąhrend er sich einseift, wundert er sich ├╝ber leises Kichern und Klopfen aus der Nachbardusche und denkt schon an alles m├Âgliche. Schlie├člich kommt ihm die Stimme so bekannt vor und er fragt:"Martin, fehlt dir was?" "Ja", bekommt er zur Antwort, "ich komme nicht mehr raus!" Martin war in die einzige zur Verf├╝gung stehende Dusche mit defekter T├╝r  gelangt und mu├čte von Werner befreit werden.

 "Aber ich bin doch cool geblieben!?"

Um unsere Gedanken zu ordnen brechen Gerhard und ich zu einem Abendspaziergang entlang der Strandcafes und dem Strandbad auf. Es tut gut, sich 'mal wieder zu Fu├č ├╝ber eine l├Ąngere Strecke zu bewegen. Denn au├čer Schoten bedienen, ist die k├Ârperliche Ert├╝chtigung an Bord eher von untergeordneter Bedeutung.

 

Das Finale

 

Wie immer - aufstehen im Fr├╝htau, als Decksneger besorge ich Semmeln und Croissant zum Fr├╝hst├╝ck - Henkersmahlzeit. Aber es werden sowieso einige nichts 'runterkriegen. Dann bleibt f├╝r mich mehr, denn den Appetit hat's mir bei Pr├╝fungen (leider) noch nie verschlagen.

Nach dem Morgenmahl wird's Schiff sorgf├Ąltig klariert, mit Deck schrubben und K├╝che kl├Ąren. Eine willkommene Besch├Ąftigung um sich auszutoben.

Schon um 1000 sind wir fertig, die AURORA gl├Ąnzt pr├Ąchtig in der Sonne und scheint nur darauf zu warten, endlich in See zu stechen. Aber wir sind zu geduldigem Warten verdammt.

Um 1100 brechen Max, Werner und Martin in die Marina auf, um die Pr├╝fer zu begr├╝├čen bzw. zu besichtigen und dabei gleich unser Anliegen - erster Pr├╝fungstermin - vorzubringen. Die Argumentation dabei ist nat├╝rlich unser Meister in seiner Doppelfunktion als Ausbilder und Pr├╝fer. W├Ąhrend Gerhard und ich im Salon faulenzen und ruhig Blut bewahren, letzte Strategien besprechen, haben die drei anderen Erfolg. Mit zufriedenen Gesichtern kehren Martin und Werner um 1200 zur├╝ck, ja, wir sind die ersten.

Schon um 1230 erscheint Max mit dem Pr├╝fer.

Zu Beginn erfolgt die theoretische Befragung der einzelnen Crewmitglieder zu deren Namen und teils auch Berufsangaben, gefolgt von Abarbeiten der einzelnen Themenkomplexe je Pr├╝fling: Wetter/Wetterbericht (ich), Motor (Gerhard), Sicherheitsausr├╝stung (Werner) und Gas (Martin).

Danach legt Gerhard ab, und es erfolgt reihum B├╝B unter Motor - keine Probleme. Martin soll als letzter unter Motor Segel setzen lassen. Da wir in den letzten Tagen oft Schwierigkeiten mit dem Rollgro├č hatten, tun wir dies ├Ąu├čerst vorsichtig, was den Pr├╝fer begeistert. Trotzdem ist Martin v├Âllig von der Rolle und darf zur mentalen Sammlung pausieren. Gerhard ist der n├Ąchste, er spult das gew├╝nschte Programm ohne Zaudern und komplett herunter - perfekt und souver├Ąn. Es wird noch eine akademische Diskussion ├╝ber die Sinnhaftigkeit eines Direkt - oder Beinah-Aufschie├čers gef├╝hrt, wobei man zu keinem rechten Ergebnis kommt. Es folgt Werner, der zwar gut f├Ąhrt, aber prompt wieder eine Q-Halse bespricht. Jetzt bin ich an der Reihe mit B├╝B. Dank der teleskopartigen Arme von Gerhard kann die Boje gefa├čt und an Bord gebracht werden. Der Kreis ├╝ber backbord ist ein Heimspiel, w├Ąhrend der Wind schon zwischen 2 und 1 Bft d├╝mpelt. Da Gerhard nun mal der beste Bojenfischer ist, bleibt er gleich vorne und holt auch f├╝r Martin die "Kastanie" aus dem Wasser. Nachdem Martin die Halse richtig f├Ąhrt aber falsch bespricht, soll er Segel bergen lassen, wiederum in extrem schonender Manier - ein + -Punkt f├╝r uns. Das war das Ende der Pr├╝fung und Gerhard bringt uns sicher in den Hafen, aber zum ersten Mal erst beim zweiten Anlauf in die Box, was ihn nahezu in die Wei├čglut treibt. Noch ein paar kleine Fauxpas passieren, ohne Schaden, aber es reicht. Die Pr├╝fung ist vorbei und alle haben bestanden, es ist 1500!

Nur die Perfektionisten unter uns brauchen f├╝r die echte Freude etwas l├Ąnger.

Das Bier schmeckt uns k├Âstlich, ich glaube, ich habe noch nie ein besseres getrunken. Alle Lieben und Freunde werden angerufen, ange-smst und die Sonne versengt unsere Haut. BADEN hei├čt das Zauberwort. Der Marina Mann erh├Ârt uns nicht, der Bademeister hat noch Winterurlaub, wir m├╝ssen vorm Tor zum Swimmingpool stehen bleiben. Also fl├╝chten Gerhard und ich uns in den Schatten einer Pinie, schl├╝rfen Eis und beobachten von Ferne die Man├Âver der anderen Yachten.

Nach einem Dinner in der Marina mit einem zufriedenen Skipper und vier gl├╝cklichen Jungskippern feiern wir an Bord die halbe Nacht.





Zu unserer Runde gesellt sich eine fr├Âhliche Deggendorfer Crew unter F├╝hrung von Skipper Sepp, die von einem gegl├╝ckten T├Ârn heimgekehrt ist und mit ihrem Musikus Herbert einen fantastischem Gitarristen an Bord bringt. Wir singen Lieder in einen sternklaren Himmel - ein herrlicher Abend und ein wunderbarer Abschlu├č unseres Ausbildungst├Ârns, was wohl keiner von uns vergi├čt!

 

Andrea

 


Pr├╝fung in Theorie:                                                



Hoffentlich verrutscht mir der Zirkel nicht wieder! - Lieber 3 x messen!

 
Auch mit Grippe-Handicap: kein Problem!

 
Ui, mein Lieblingsfragebogen

 
Ausgerechnet das Feuerschiff vor Hamburg!

 
I mua├č steh', sonst geht das ned!


 
Praxispr├╝fung, die Crew der Aurora

 

Besatzung vollz├Ąhlig und landfein
von links: Max, Andrea, Gerhard, Werner, Martin

2004 Segelclub Deggendorf e.V.